Zahlreiche Veranstaltungen in der Hanse- und Universitätsstadt


Greifswald hat nicht nur ungemein vielseitige universitäre und sportive Angebote, nein, die Stadt ist zugleich eines kulturelle Metropole. Seit mittlerweile 25 Jahren besteht hier das Sozio-kulturelle Zentrum St.Spiritus, das viel Resonanz erfährt. So finden im St. Spritus Konzerte, Ausstellungen, Theater-Vorstellungen, Work-Shops und Lesungen statt.

Auch das Koeppenhaus, das Pommersches Landesmuseum, das Theater Vorpommern oder die Veranstaltungen in der Stadthalle sind gut besucht. Und das Fischerfest Gaffelrigg hat ebenfalls schon Tradition.

KircheGreifswald

Wie beurteilt nun Anett Hauswald, Leiterin des Kulturamtes in Greifswald, das Greifswalder Kulturleben?!

A.Hauswald über die kulturelle Stadt Greifswald

„Zur heimlichen Kulturhauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern entwickelt…“

Frage: Die kulturelle Entwicklung in Greifswald nach der Wende… Was waren für Sie die wichtigsten Etappen und Höhepunkte in den letzten 25 Jahren?

Anett Hauswald: Greifswald hat sich seit 1989 außerordentlich entwickelt – nicht nur wirtschaftlich, städtebaulich, universitär, sondern gleichermaßen kulturell. Denn: Die Stadt Greifswald hat die Chance ergriffen und ihre vielfältigen Potentiale genutzt, was zur Folge hatte, dass sich die Stadt zu einer „heimlichen“ Kulturhauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns entwickelte.

Durch ihre exponierte Lage – mit der Nähe zu Polen und Skandinavien – sowie als Universitätsstadt hat sie viele Möglichkeiten, welche sie für den Ausbau der kulturellen Vielfalt genutzt hat und weiterhin nutzen wird.

Darüber hinaus ist die kulturelle Entwicklung aber auch maßgeblich dem Engagement der Menschen, die hier leben, sich auf unterschiedliche Weise einbringen und zur Bereicherung des (kulturellen) Lebens Greifswalds und der Region beitragen, zu verdanken.

Um jedoch die Frage nach den wichtigsten Etappen und Höhepunkten der letzten 25 Jahre zu beantworten, müsste ich eine lange Liste anführen, denn dazu gehören für mich eine ganze Reihe von Aktivitäten und Dingen, wie um Beispiel die Sanierung der Klosterruine Eldena und der Parkanlage sowie ihr 800jähriges Jubiläum 1999, das 750jährige Stadtjubiläum von Greifswald, die Gründung und der Aufbau des Pommerschen Landesmuseums oder die Sanierung des Geburtshauses von Wolfgang Koeppen, in welchem das Wolfgang Koeppen-Archiv und das Literaturzentrum Vorpommern ihren Sitz haben.

Weitere kulturelle Meilensteine waren die Errichtung des Caspar-David-Friedrich-Zentrums in der ehemaligen Seifensiederei sowie die nun jährliche Vergabe des Caspar-David-Friedrich-Preises, die Gründung des Alfried-Krupp-Wissenschaftskollegs und die Etablierung der Kulturnacht, die in diesem Jahr zum dreizehnten Mal stattfinden wird.

Erfreulich ist nicht zuletzt der Zuwachs an studentischen Initiativen und die Etablierung der verschiedensten Festivals, welche u.a. aus dem Engagement von Lehrenden und Studierenden der Ernst-Moritz-Arndt-Universität hervorgegangen sind und seit vielen Jahren fester Bestandteil des städtischen Kulturkalenders sind, ja zum Teil bereits ihr 25 jähriges Jubiläum feiern, wie zum Beispiel der Nordischer Klang, der polenmARkT, die TanzTendenzen, Entwicklungspolitischen Tage, GrIStuF, StuThe, FANTAKEL, StadtImPuls oder. Dazu gehört gleichermaßen die durch studentische Initiative errichtete Kunst- und Atelierhalle Polly Faber sowie das Wohn- und Kulturprojekt IKUWO.

Was war kulturell noch wichtig für Greifwald?! …Da fallen mir unbedingt die Sanierung des historischen Ensembles des Sozio-Kulturellen Zentrums St. Spiritus, die Auszeichnung der Stadtbibliothek mit den verschiedensten Preisen, wie z. B als Bibliothek des Jahres sowie die Renovierung der verschiedenen Fachbereiche der Stadtbibliothek, das seit 2013 jährliche ausgerichtete Stadtfest „Ein Tag mit Caspar David Friedrich“, die seit 35 Jahren im Juli stattfindenden Eldenaer Jazz Evenings (in Zusammenarbeit mit dem NDR) oder die Ausrichtung des Eldenaer Klostermarktes ein.

Stadthalle Greifswald

Die Stadthalle wurde saniert und neuer eröffnet. Der Tierpark erfreut sich dank seiner vielfältigen Angebote großer Beliebtheit. Es gibt zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen des Pommernshuses, aber auch des Literatursalons. Private Galeristen, wie Hubert Schwarz und Peter Konschake, engagieren sich für Greifswald. Ein digitaler und gedruckter Greifswalder Kulturkalender konnte etabliert werden.

Last but not least: Das Engagement der vielen privaten kulturellen Initiativen und Vereine ist zudem hervorzuheben. Greifswald zählt dabei mehr als 90 Vereine.

Frage: Was waren die bisherigen Veranstaltungshighlights in Greifswald 2015 – aus ganz persönlicher Sicht?

Anett Hauswald: Greifswald bot und bietet auch in diesem Jahr wieder zahlreiche interessante Veranstaltungen – zu jeder Jahreszeit und für nahezu jedes Interesse. Für mich persönlich war der Klostermarkt auf dem Gelände der Klosterruine, die Eldenaer Jazz-Evenings, die Angebote der Initiative „Kino auf Segeln“, die Mechthild Hempel-Ausstellung im St. Spiritus oder die Exposition „2 Männer, ein Meer“ im Pommerschen Landesmuseum und nicht zuletzt die OPERNALE absolute Höhepunkte.

Unbedingt erwähnen möchte ich auch die Aufführungen des Rockballetts des Theaters Vorpommern in Kooperation mit der Oper Stettin am Museumshafen, die verschiedenen Angebote des Stadtimpuls-Festivals im Zirkuszelt auf dem Hof der Stralsunder Straße, die Festveranstaltung der Musikfabrik aus Anlass des 20. Jubiläums oder das Podiumsgespräch mit der gebürtigen Greifswalder Schriftstellerin Judith Schalansky im Rahmen der diesjährigen Koeppentage.

Frage: Was steht in den kommenden Monaten 2015 noch auf dem kulturellen Programm Greifswalds?

Anett Hauswald: Am 18. September wird im Koeppenhaus das Buch der gebürtigen Greifswalderin Angela Marquard „Vater, Mutter, Stasi“ gemeinsam mit Roland Jahn vorgestellt.

FANTAKEL, das Festival der freien Theater, wird am 19. und 20. September im St.Spiritus wieder die Kultur-Interessierten begeistern. Vom 24. September bis 11. Oktober findet auch in Greifswald die Interkulturelle Woche zum Themenbereich „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ mit verschiedenen Veranstaltungen statt, wobei natürlich auch die aktuelle Flüchtlingsproblematik ein Thema ist.

Eine interessante Ausstellung wird zwischen 4.Oktober und 22.November in das Pommersche Landesmuseum locken: „FREE Jazz in der DDR – Weltniveau im Überwachungsstaat“. Ende Oktober, am 23. Oktober, wird im Dom St. Nikolai eine Tschaikowsky-Nacht unter der künstlerische Leitung von KMD Prof. Jochen A. Modeß konzertiert.

Und drei traditionsreiche Veranstaltungen werden dann im November sicherlich viel Zuspruch finden: vom 2.November bis 22. November die 15. Entwicklungspolitische Tage M-V zum Thema „IHR EINSATZ BITTE!“, vom 5.November bis 7. November die 15. Internationale Autorentagung „Junge Literatur in Europa“ im Internationalen Begegnungszentrum „Felix Hausdorff“ an der Uni Greifswald und vom 19.November bis 28. November das Festival polnischer Kultur –“polenmARkT“ mit Veranstaltungen in der gesamten Stadt.

Frage: Welchen Stellenwert hat die Kultur in Greifswald? Ist Greifswald „eine Kulturstadt“?!

Anett Hauswald: Kultur in der Stadt stellt einen wichtigen Grundpfeiler dar, denn Kultur ist nicht nur ein wichtiger Standortfaktor, um Touristen auf unsere Region aufmerksam zu machen, sondern sie ist gleichermaßen identitätsstiftend für alle jene Menschen, die hier leben. Kultur ist Lebensqualität – interessen- sowie generationenübergreifend.

Daher ist es wichtig, Bewährtes zu erhalten. Aber gleichermaßen sollte die Offenheit für neue Ideen und Konzepte in der Stadt immer gewährleistet sein. Um zeitgemäß und weltoffen zu sein, bedarf es einer Verbindung von Tradition und Moderne, Altem und Neuen. Greifswald sollte eine Stadt mit Visionen bleiben, das macht sie auch so besonders!
Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für Greifswald!

Übrigens: Vom 12.Oktober 2015 bis 30.Januar 2016 dauert die Vorlesungszeit des Wintersemesters 2015/16 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität zu Greifswald. Zuvor, vom 5.Oktober 2015 bis 12.Oktober 2015, findet die Erstsemester-Woche statt. An der Greifswalder Universität gibt es rund 11000 Studierende.

Marko Michels

Fotos/Michels: In Greifswald wird Kultur gelebt, ob in den Kirchen, in der Stadthalle oder an weiteren Orten.