Warnemünder Seglerin Hannah Anderssohn mit Vize-WM-Titel bei der Jugend-WM


Das neue Jahr ist noch sehr jung. Gleich am ersten Tag des neuen Jahres gab es sportliche Wettkämpfe, so zahlreiche Neujahrsläufe, die WM-Wettkämpfe im Darts, das traditionelle Neujahrsbaden einiger Tauchsport-Vereine, die Tour de Ski im Skilanglauf oder das obligatorische Neujahrs-Skispringen in Garmisch-Partenkirchen.

Erste Sieger 2016 gekürt

Die ersten Siegerinnen und Sieger waren dabei Maiken Caspersen Falla (Norwegen) bzw. Federico Pellegrino (Italien) in den Freistil-Sprints der Damen sowie Herren bei der „Tour de Ski“ in Lenzerheide und Peter Prevc (Slowenien) beim Skispringen in GAP.

Sportliche Abwechslung 2016

2016 wird ohnehin ein sehr abwechslungsreiches sportliches Jahr, denn es stehen unter anderem die Olympischen Jugend-Winterspiele in Lillehammer, die Olympischen sowie Paralympischen Spiele in Rio oder die Fußball-EM in Frankreich, auf dem Programm.

Erfolgreicher Jahresauftakt für M-V

Und auch M-V konnte schon sportlich jubeln. Bereits am 3.Januar gab es die erste Medaille in einer olympischen Kern-Sportart für M-V, speziell für Rostock-Warnemünde.

Hannah Anderssohn (Warnemünder Segel-Club), Jahrgang 1999, erkämpfte bei den ISAF-Jugend-WM im Segeln – vom 27.Dezember 2015 bis 3.Januar 2016 vor Langkawi/Malaysia – in der Klasse „Laser Radial“ die Silbermedaille.

Hinter der neuen Weltmeisterin Maria Erdi (Ungarn) und vor der Polin Magdalena Kwasna, der Uruguayerin Dolores Moreira Fraschini und der Niederländerin Mirthe Akkerman sicherte sich Hannah den Vize-Weltmeister-Titel. Chapeau!

Insgesamt nahmen 54 junge Seglerinnen an den Laser Radial-Konkurrenz teil.

Blick in die segelsportive Historie von M-V

Der Erfolg von Hannah setzt damit eine sportliche Segel-Erfolgstradition a la M-V fort.

Der Segelsport in M-V wurde nach 1950 maßgeblich von den drei Klubs SC Traktor Schwerin (Nach 1990 große Erfolge für den Schweriner Yachtclub und für den Schweriner Segel-Verein von 1894.), SC Empor Rostock und ASK Vorwärts Rostock geprägt.

Anfänge beim SC Traktor

„Entsprechend der Bedeutung und der Perspektiven der Landwirtschaft, als gleichberechtigter Wirtschaftszweig der Volkswirtschaft in der DDR, wie sie vom IV. Parteitag der SED 1954 beschlossen wurden, und zur besonderen Förderung der sportlichen Aktivität der Landjugend, wurde der Sportklub Traktor gegründet.“, so lautete die offizielle Lesart zur Konstituierung des SCT als damals größter Sportklub des Bezirkes Schwerin. Vor der Gründung des SC Traktor Schwerin hatte sich – als Vorläufer – bereits die Sportvereinigung Traktor 1951 gebildet, in der auch der Segelsport „groß geschrieben“ wurde.

Die kleineren städtischen und dörflichen Sportgemeinschaften in Westmecklenburg wurden in der „Sportvereinigung Traktor“ zusammengefasst, die Mitte der 1950er Jahre in Schwerin quasi ein „Leistungszentrum Traktor“ erhielt. Die Sportler der Sportklubs Traktor waren nun nicht mehr die Repräsentanten eines einzelnen (landwirtschaftlichen) Betriebes, sondern sie sollten „zum Ruhm und zur Ehre der gesamten Landbevölkerung der DDR kämpfen“.

Für die kleineren westmecklenburgischen Sportklubs bedeutete dieses allerdings, dass sie ihre leistungsstärksten und talentiertesten Nachwuchskräfte nach Schwerin „delegieren“ mußten.
Seit dem 1.Juni 1955 nahm die Sportklubleitung Traktor ihre Tätigkeit in Schwerin auf und begann mit der „Konzentrierung“ der besten Leistungssportler der Sportvereinigung. Am 18.Juni 1955 konstituierte sich der „SC Traktor Schwerin“ mit einer „Gründungsversammlung“ offiziell in Schwerin. Es bildeten sich im Laufe der Zeit die Sektionen Boxen, Fußball, Ringen, Turnen, Leichtathletik, Volleyball, sogar Wintersport, aber ebenfalls eine Sektion Segeln.

„Nachhilfe“ von den Rostockern und die Sektion Segelsport beim SCE

Hier gab es allerdings „sportliche Nachhilfe“ von den Rostockern, denn die Sektion Segeln des SC Traktor Schwerin begann noch vor der eigentlichen Gründungsversammlung des SCT ihre Aktivitäten – im Mai 1955 als Binnensegel-Abteilung des SC Empor Rostock mit dem Segler-Heim auf der Marstallhalbinsel in Schwerin. Anfang 1956, vor 60 Jahren, wurde diese „Rostocker Außenstelle“ dem SC Traktor Schwerin organisatorisch angegliedert.

Beim SC Empor Rostock entstand eine eigenständige Sektion Segelsport Ende Juni 1955, genau am 22.Juni 1955. Und: Schweriner und Rostocker Segler konkurrierten zwar miteinander, aber kooperierten seitdem auch.

Und die Erfolge von 1955 bis 2015 sprechen für den Segelsport „Made in M-V“ …

Bei WM spielten die Seglerinnen und Segler aus Mecklenburg-Vorpommern eigentlich immer eine gute Rolle, glänzten mit vorderen Platzierungen, mit Medaillen oder WM-Titeln. Einige Beispiele hierzu dokumentieren den hohen Stellenwert, den der Segelsport in Mecklenburg-Vorpommern besitzt. So wurde Jürgen Mier vom ASK Vorwärts Rostock Weltmeister (Goldcup) im Finn-Dinghy 1965.

Einen „silbernen WM-Drachen“ hatten 1968 Paul Borowski/Karl-Heinz Thun/Konrad Weichert (SC Empor Rostock). Eine weitere WM-Medaille für die Drei folgte 1970 vor Travemünde. Die Vize-Weltmeisterschaft im Flying Dutchman sicherten sich 1974 Herbert Hüttner/Ulf Pagendorf vom ASK Vorwärts Rostock. Für den SC Empor Rostock ersegelten Jörn Borowski/Egbert Swensson 1982 vor Cascais den Weltmeistertitel bei den 470ern. WM-Bronze 1985 gab es für Jörn Borowski, seinerzeit mit Mathias Gall.

Auch für Schweriner Crews wehten die segelsportlichen Winde bisweilen sehr gut. Jürgen Brietzke/Ekkehard Schulz vom SC Traktor Schwerin/Sektion Segeln gewannen 1987 WM-Bronze.

Weltmeisterliches Gold konnten dann Ulf Lehmann/Stefan Mädicke (Schweriner Yacht-Club) 1996 im Flying Dutchmann erringen und 1997/1998 triumphierte Jürgen Knuth (SYC) bei den Tempest-Seglern. Gleich dreifaches WM-Gold holten Ines Bohn/Sabine Rohatzsch (SC Traktor Schwerin / Schweriner Yacht-Club) bei den 470ern „vom Wasser“: 1990, 1993 und 1994.

Eine gebürtige Grevesmühlenerin, Wibke Bülle, sammelte ebenfalls segelsportliches WM-Edelmetall, so erkämpfte sie unter anderem WM-Bronze 1991, WM-Silber 1997 jeweils bei den 470ern und WM-Silber 2002 und 2003 in der Yngling-Klasse.

Jürgen Mier, Paul Borowski oder Wibke Bülle & Co. – nur ein paar Beispiele für erfolgreiche WM-Seglerinnen und WM-Segler „Made in M-V“.

Und Olympia war ohnehin auch eine „Sache“ für die MV-Seglerinnen und –Segler:

Vor allem die Rostocker „Drachen“ waren zwischen 1964 und 1972 bei Olympia bestens dabei: Peter Ahrendt, Wilfried Lorenz und Ulrich Mense schafften 1964 Silber.

Paul Borowski, Konrad Weichert und Karl-Heinz Thun sorgten 1968 (Bronze) und 1972(Silber) ebenfalls für segelsportliches Olympia-Edelmetall bei den Drachen. Und „so“ ging es weiter … Vor Kingston 1976 gab es außerdem segelsportlichen Medaillen-Zuwachs für M-V. Der gebürtige Rostocker Dieter Below und seine Crew wurden Olympia-Dritte im Soling. Jörn Borowski/Egbert Swensson (Rostock) waren dann vor Tallinn 1980 weit vorn: mit Silber bei den 470ern.

An olympischen Segel-Regatten für MV nahmen unter anderem auch 1964 Eberhard Reschwamm/Dietmar Gedde (ASK Vorwärts Rostock/Flying Dutchman, 13.), 1968 Hartmann Bogumil/Udo Springsklee (ASK Vorwärts Rostock, Star, 14.) und Jürgen Mier (ASK Vorwärts Rostock, Finn-Dinghy, 14.), 1972 Hans-Christian Schröder (ASK Vorwärts Rostock, gebürtiger Schweriner, Finn-Dinghy, 7.), Herbert Hüttner (gebürtiger Schweriner)/Dietmar Gedde (ASK Vorwärts Rostock, Flying Dutchman, 13.) und Herbert Weichert (SC Empor Rostock)/Hans-Joachim Lange (ASK Vorwärts Rostock, Star, 17.), 1980 Wolfgang Haase/Wolfgang Wenzel (SC Empor Rostock, Flying Dutchman, 4.) und 1988 Susanne Theel (geboren in Ribnitz-Damgarten, mit Silke Preuß, 470er, 7.) teil.

Im Jahr 1988 nahmen auch Ulf Lehmann/Stefan Mädicke (SC Traktor Schwerin, Flying Dutchman, 9.) und Jürgen Brietzke/Ekkehard Schulz (SC Traktor Schwerin, 470er, 11.) teil.

Wibke Bülle, die gebürtige Grevesmühlenerin, wurde mit Nicola Birkner 12 Jahre später Fünfte 2000, bei den Olympischen Spielen in Sydney,  bei den 470ern.

Zuletzt nahmen mit dem heutigen LSB-Geschäftsführer und Vize-Präsidenten des DSV Torsten Haverland mit Ronald Rensch (Schweriner Yacht-Club/470er) vor Savannah 1996 und mit Monika Leu (Schweriner Yacht-Club/470er, mit Steffi Rothweiler) vor Athen 2004 sowie mit Franziska Goltz (Schweriner Segler-Verein von 1894/Laser Radial) vor Weymouth 2012 zwei Segler und eine Seglerin aus Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern an Olympischen Spielen teil.

Tja – und Hannah knüpfte aktuell an diese Erfolgsserien an!

Marko Michels

Foto/Michels: Die Segel wurden 2016 bereits erfolgreich gesetzt – aus M-V-Sicht.