Das reitsportliche Jahr 2015 steht bereits ganz im Zeichen darauf, was im nächsten Jahr kommen wird.

Die olympischen Reitsportwettbewerbe in Rio werden sicher Pferdesport der Spitzenklasse bieten.

In diesem Jahr sind jedoch erst einmal die europäischen Reiterspiele in Aachen im August der Saison-Höhepunkt – eine wichtige sportliche Standortbestimmung vor Rio 2016.

Die Weltreiterspiele vor Jahresfrist

Bei den siebenten Weltreiterspielen vor Jahresfrist in der Normandie dominierten jedenfalls noch die Reitsportlerinnen und Reitsportler aus Großbritannien (7 x Gold, 6 x Silber, 2 x Bronze), den Niederlanden (6 x Gold, 3 x Silber, 9 x Bronze), Deutschland (5 x Gold, 6 x Silber, 4 x Bronze), den USA (2 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze) und Belgien (2 x Gold, 1 x Silber).

Für Deutschland holten in Frankreich die Teams in der Dressur (Fabienne Lütkemeier auf D´Agostino, Kristina Sprehe auf Desperados, Helen Langehanenberg auf Damon Hill sowie Isabell Werth auf Bella Rose), im Vielseitigkeitsreiten (Sanda Auffarth auf Opgun Louvo, Michael Jung auf Rocana, Ingrid Klimke auf FRH Escada sowie Dirk Schrader auf Hop and Skip) und im Voltigieren (Paulina Riedel, Mona Pavetic. Janika Derks, Milena Hieman, Julia Dammer, Johannes Kay und Longenführerin Jessica Schmitz / auf Delia) Gold.

Einzel-Triumphe sicherten sich seinerzeit Sandra Auffarth (auf Opgun Louvo, Vielseitigkeitsreiten) und Hannelore Brenner (auf Women oft he World, Para-Dressur).

Der Reitsport und Mecklenburg-Vorpommern

Zwar waren Reitsportlerinnen und Reitsportler aus M-V nicht am WM-Start, aber in der Vergangenheit gab es schon einige große Erfolge auch für den Pferdesport im deutschen Nordosten. Denn: Mecklenburg-Vorpommern ist ein echtes, ja natürliches Reitsportland und besitzt mit dem Landesgestüt in Redefin oder eben der Galopp-Rennbahn bei Bad Doberan bekannte, ja berühmte pferdesportliche „Wettkampf-Stätten“.

Dabei hat MV – bekanntlich – mit Carl-Friedrich von Langen, den zweifachen Dressur-Olympiasieger von 1928 aus Parow bei Stralsund, und Ludwig Stubbendorff, dem zweifachen Vielseitigkeits-Olympiasieger von 1936 aus Turloff bei Dabel, nicht nur zwei ganz herausragende Reitsportler hervor gebracht, sondern auch weitere herausragende Reitsportler in der Folgezeit.

Der 1938 in Röbel geborene Horst Köhler ist einer von diesen… Er wurde 1968 Olympia-Fünfter im Einzel und Olympia-Vierter mit der DDR-Dressur-Equipe. In München 1972 konnte er mit dem DDR-Dressur-Team dann Rang fünf belegen. Unter anderem war er zusätzlich auch Vize-Europameister 1969 und WM-Dritter 1970 mit dem DDR-Team.

Aber auch aktuell hat M-V großartige Reitsportler mit regionalen, nationalen und internationalen Erfolgen „zu bieten“, wie Thomas Kleis, Heiko Schmidt, Holger Wulschner, Matthias Granzow oder Andre Thieme.

Im Blickfeld: Helen Langehanenberg

Am ersten Mai-Wochenende, also kürzlich, fand das Pferdesportfestival in Redefin statt und vor Ort war auch eine beeindruckende deutsche Dressur-Reiterin…

Helen Langehanenberg, Jahrgang 1982, die Olympia-Silber 2012 erkämpfte und zudem bei den EM 2013 (einmal Gold, zweimal Silber) bzw. den WM 2014 (einmal Gold, zweimal Silber) brillierte, war auch in Redefin wieder zu Gast.

Nachgefragt

H.Langehanenberg über das Pferdesportfestival in Redefin, ihre Erfolge in den letzten Jahren und ihre weiteren Ambitionen

„Stets offen für Neues bleiben…“

Frage: Frau Langehanenberg, Sie nahmen auch 2015 wieder am Pferdesportfestival in Redefin teil. Was ist für Sie das Besondere, das Faszinierende an den Wettkämpfen in Redefin?

Helen Langehanenberg: Redefin ist ein großes national und international anerkanntes Reitturnier. Darüber hinaus bietet es optimale Bedingungen und hat trotz der Größe nie den familiären Charakter verloren.

Frage: Mit Blick auf die letzten drei Jahre 2012, 2013 und 2014… Was waren für Sie die ganz besonderen sportlichen Momente in jenen Jahren?

Helen Langehanenberg: Eigentlich fast jedes einzelne Event. Sehr besonders waren sicherlich die Championate und Medaillen in London, Herning und Caen sowie der Weltcup-Gesamtsieg in Göteborg.

Frage: Die deutschen Dressur-Reiterinnen und Dressur-Reiter sind seit Jahren erfolgsverwöhnt, gewannen 22 der 25 EM-Titel im Mannschaftswettbewerb und 15 x EM-Gold in den Einzelwettbewerben. Haben die deutschen Dressur-Reiterinnen und -Reiter das entsprechende „Erfolgs-Gen“? Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für die große deutsche Dressur-Erfolgstradition?

Helen Langehanenberg: Meinen Sie, es gibt ein „Erfolgs-Gen“… Nein, ich glaube, dass sicherlich Zielstrebigkeit und eine frühe Vorbereitung und Planung ein ausschlaggebender Punkt sind. Außerdem muss man immer selbstkritisch, aber auch offen für Neues bleiben. Man darf nicht stehen bleiben und muss sich außerdem immer weiter entwickeln.

Frage: Im Sportsommer 2015 sind die EM in Aachen der Saison-Höhepunkt. Was sind Ihre dortigen Ziele?

Helen Langehanenberg: Da mir mein bisheriges Erfolgspferd „Damon Hill“ nicht mehr zur Verfügung steht, werde ich dort nicht teilnehmen können. Es sind zwar fantastische Nachfolger da, doch dieses Jahr sind sie noch zu jung für diese Aufgaben.

Letzte Frage: Immer nur Dressur-Reiten kann es auch nicht sein… Welchen Ausgleich dazu haben Sie?

Helen Langehanenberg: Es macht mir sehr viel Freude, aber Sie haben recht, ein Ausgleich ist immer wichtig! Ich treffe mich gerne mit guten Freunden oder unternehme die unterschiedlichsten Dinge!

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!

Marko Michels

Foto/Michels: Im Sportsommer 2015 finden die EM im Reitsport in Aachen statt, wo beste Reitsport-Turniere ja Tradition haben (Impression von den Weltreiterspielen 2006).