Von Luzern 1962 nach Sarasota 2017

Vor fast 55 Jahren, im Sportsommer 1962, gab es endlich die ersten offiziellen Ruder-Weltmeisterschaften, nachdem der Rudersport bereits 1896 zu den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in das olympische Programm aufgenommen wurde und seit 1893 ebenfalls Europameisterschaften, die mitunter offen für nichteuropäische Mannschaften waren, zur Austragung kamen.

Luzern 1962 mit dominanten Europäern

In Luzern, bei den ersten Ruder-WM 1962 nur für die Herren, dominierten vor allem die Boote aus Europa, die 20 der 21 Medaillen erkämpften. Lediglich ein US-Amerikaner durchbrachen seinerzeit die europäische Medaillen-Phalanx. Seymour Cromwell gewann Bronze im Einer. Die deutschen Boote waren seinerzeit sehr erfolgreich, erkämpften fünfmal Gold, in den Klassen „Zweier ohne“, „Zweier mit“, „Vierer ohne“, „Vierer mit“ bzw. „Achter“, und einmal Bronze, in der Klasse „Doppelzweier“. Die restlichen beiden Goldmedaillen schafften der französische Doppelzweier und Wjatscheslaw Iwanow (Sowjetunion) im Einer.

Aus M-V-Blickwinkel gab es im Deutschland-Achter WM-Gold 1962 für den gebürtigen Tutower Karl-Heinrich von Groddeck, den gebürtigen Neustrelitzer Klaud Aeffke und den gebürtigen Neubrandenburger Hans-Jürgen Wallbrecht.

Von Luzern 1962 in das vergangene olympische Jahr 2016

Im letzten Jahr, 2016, 54 Jahre nach Luzern, waren die rudersportlichen Saison-Höhepunkte die EM in Brandenburg und die olympische Regatta in Rio de Janeiro.

Drei Ruder-EM-Medaillen 2016 für M-V

Die Ruder-Europameisterschaften in Brandenburg Anfang Mai 2016 bescherten den Ruderinnen und Rudern auch aus M-V drei Medaillen. Der gebürtige Rostocker Hannes Ocik (Schweriner Rudergesellschaft) und der gebürtige Bad Doberaner Felix Drahotta (jetzt Leverkusen) konnten dabei über Gold mit dem Deutschland-Achter jubeln. Dieser verwies Russland und Großbritannien auf die Plätze zwei und drei.

Marie-Louise Dräger (Olympischer Ruder-Club Rostock von 1956), die inzwischen zurück trat, ruderte hingegen mit Ronja Fini Sturm (Ruder-Club Havel Brandenburg) mit dem leichten Doppelzweier zu Silber hinter den Niederländerinnen Ilse Paulis und Maaike Head.

Und Silber gab es ebenfalls für Stephan Krüger (Olympischer Ruder-Club Rostock von 1956) zusammen mit Marcel Hacker (SC Magdeburg) im Doppelzweier hinter den Kroaten Martin Sinkovic und Valent Sinkovic.

Olympia-Regatta 2016 mit starken Briten

Bei der olympischen Regatta im August 2016 waren dann vor allem die Ruderinnen und Ruderer aus Großbritannien mit dreimal Gold, zweimal Silber sehr erfolgreich, wobei die britischen Boote den Vierer ohne (Herren), den Zweier ohne (Frauen) und den Achter (Herren) gewannen.

Die deutsche Ruder-Mannschaft erkämpfte in Rio hingegen zweimal Gold, einmal Silber.

Philipp Wende, Lauritz Schoof, Karl Schulze bzw. Hans Gruhne belegten im Doppelvierer Platz eins – wie auch der Frauen-Doppelvierer mit Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier bzw. Lisa Schmidla. Die deutschen Achter-Recken ruderten auf den Silber-Rang in der Besetzung Maximilian Munski, Malte Jakschik, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Felix Drahotta, Richard Schmidt, Hannes Ocik und Martin Sauer.

Damit kam M-V 2016 auch „in den Genuss“ olympischer Ruder-Medaillen dank des gebürtigen Rostockers Hannes Ocik (Schweriner Rudergesellschaft) und des gebürtigen Bad Doberaners Felix Drahotta (jetzt Leverkusen).

21 mit Medaillen

21 Länder erkämpften bei der olympischen Ruder-Regatta 2016 Medaillen, darunter 10 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen. Europa war der dominierende Kontinent mit 30 von 42 Medaillen. Australien/Ozeanien sicherte sich 6 Medaillen. Der amerikanische Doppelkontinent holte drei, Asien zwei und Afrika eine Medaille.

Rudersportliche Saison-Höhepunkte 2017

In diesem Jahr sind die Saison-Höhepunkte die Weltcups, die EM und die WM. Die Weltcup-Serie im Rudersport 2017 umfasst 2017 drei Stationen, so in Belgrad vom 5.Mai bis 7.Mai, in Poznan vom 15.Juni bis 18.Juni und in Luzern vom 7.Juli bis 9.Juli. Zudem haben die Europameisterschaften vom 26.Mai bis 28.Mai einen großen Stellenwert.

Das Jahreshighlight sind jedoch die Elite-Weltmeisterschaften vom 24.September bis 1.Oktober in Sarasota.

Der erste Ruder-Weltcup 2017 mit starken Britinnen und Briten

Beim ersten Weltcup der Saison, Anfang Mai in Belgrad noch ohne deutsche Beteiligung, dominierte bei den Herren Großbritannien mit 3 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze. Die anderen Erfolge bei den Herren sicherten sich Litauen (zwei), die Schweiz, Irland, die Niederlande bzw. Ungarn (je einen). Bei den Frauen waren die Niederlande mit 2 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze am besten. Siege gingen ebenfalls an die Schweiz bzw. Polen (je zwei) und an Großbritannien (einen).

Insgesamt – bezüglich der Entscheidungen bei den Frauen und bei den Herren – war Großbritannien mit elf Medaillen, darunter 4 x Gold, die Top-Nation beim ersten Ruder-Weltcup 2017 in Belgrad. Die Wettbewerbe im olympischen Einer waren eine Angelegenheit für die Schweizer, für Jeannine Gmelin bei den Frauen und für Nico Stahlberg bei den Herren. Den Herren-Achter entschied die Niederlande vor Großbritannien für sich.

Start für die deutsche Ruder-Flotte

Das deutsche Aufgebot für die kommenden EM und die nächsten Weltcups wird nach der 99.Internationalen Hügelregatta auf dem Baldeneysee in Essen am 13. und 14.Mai nominiert. Bei dieser traditionsreichen Regatta werden 800 Ruderinnen und Ruderer aus acht Ländern starten, darunter fast die komplette deutsche Elite.

Exkurs: Die vorerst letzten kompakten WM im Rudern – 2015 in Aiguebelette

Bei den 45.Weltmeisterschaften im Rudersport in Aiguebelette, an denen 1300 Athletinnen und Athleten aus 77 Ländern teilnahmen und bei denen Medaillen sowohl in den olympischen wie auch nichtolympischen Klassen (plus Para-Rudern) vergeben wurden, waren insbesondere die Britinnen und Briten am erfolgreichsten.

Großbritannien wurde mit fünfmal Gold, neunmal Silber, einmal Bronze die erfolgreichste Nation vor Neuseeland mit fünfmal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze, Deutschland mit dreimal Gold, viermal Silber, zweimal Bronze, Australien mit dreimal Gold, zweimal Silber und den USA mit dreimal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze. Gastgeber Frankreich präsentierte sich ebenfalls stark und schaffte jeweils zweimal Gold, Silber und Bronze.

78 Medaillen, darunter 26 x Gold, waren – insgesamt betrachtet – in Aiguebelette zu vergeben, denn es gab 13 Entscheidungen für die Herren, neun Entscheidungen für die Damen und vier Entscheidungen im Para-Rudern.

Europa „sammelte“ dabei am fleißigsten Medaillen. 51 Plaketten sicherten sich die europäischen Ruderinnen und Ruderer, was einem Medaillen-Anteil von mehr als 65 Prozent entspricht. 14 von 26 Weltmeister-Titeln blieben dazu auf dem „alten Kontinent“ – das wiederum entspricht einem Anteil von fast 54 Prozent.

Die restlichen WM-Medaillen gingen nach Australien/Ozeanien (14), Nordamerika (9), Asien (3) und Afrika (eine). Bei den WM-Titeln holten Australien/Ozeanien acht erste Plätze, Nordamerika drei und Asien einen.

Die M-V-Bilanz

Aus M-V-Sicht waren zwei Medaillen zu verzeichnen – allerdings beide im Herren-Achter. Der gebürtige Rostocker Hannes Ocik, für die Schweriner Rudergesellschaft startend, und der gebürtige Bad Doberaner Felix Drahotta (jetzt Leverkusen) erkämpften Silber im Deutschland-Achter, der nur ganz knapp vom britischen Achter distanziert wurde. Marie-Louise Dräger (Rostock) schaffte hingegen mit ihrer Bootskollegin Fini Sturm im leichten Doppelzweier der Frauen einen guten sechsten Platz.

Der Rostocker Stephan Krüger „schrammte“ mit seinem Bootskollegen Marcel Hacker noch knapper am Edelmetall „vorbei“… Am Ende wurde es ein vierter Platz im Herren-Doppelzweier. Der deutsche Frauen-Achter (mit der Rostockerin Julia Wärmer) bleibt hingegen das rudersportliche „Sorgenkind“ des Deutschen Ruderverbandes. In Aiguebelette wurde es nur der zehnte und letzte Platz.

Goldene deutsche Momente

Für die „goldenen Momente“ aus deutschem Ruder-Blickwinkel sorgten aber der Herren-Doppelvierer (Philipp Wende, Karl Schulze, Lauritz Schoof, Hans Gruhne), der leichte Herren-Achter (Tobias Schad, Simon Barr, Torben Neumann, Florian Roller, Tobias Franzmann, Stefan Wallat, Claas Mertens, Can Temel, Felix Heinemann) und der leichte Frauen-Doppelvierer (Katrin Thoma, Leonie Pieper, Lena Müller, Anja Noske).

WM auch im Olympia-Jahr 2016

Im olympischen Ruder-Jahr 2016 gab es auch separate WM in den nichtolympischen Bootsklassen, Ende August 2016 im niederländischen Gemeine Zuidplas, nahe der Stadt Rotterdam. Dort standen acht Entscheidungen in den nichtolympischen Klassen und im Para-Rudern auf der Agenda. Beste Nation war Großbritannien mit dreimal Gold, einmal Bronze. Das deutsche Ruder-Team erkämpfte einmal Gold (Leichtgewichts-Doppelvierer der Herren), einmal Silber (Leichtgewichts-Doppelvierer der Damen) und einmal Bronze (Vierer ohne der Frauen).

Marko Michels

Foto (Michels): Ruder-Ass Hannes Ocik aus M-V.