Zwischen Gestern, Heute und Morgen


Mit großen Schritten geht es nun in Richtung „25 Jahre deutsche Einheit“, „25 Jahre Bundesland Mecklenburg-Vorpommern“, „25 Jahre wieder Landeshauptstadt Schwerin (seit 27.10.1990!)“ und „25 Jahre ungehindertes Westfernsehen“.

Viel zu tun?!

Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass die ministeriellen Pressemitteilungen in diesen Tagen spärlicher und seichter werden. Für den großen Einheitszapfenstreich am ersten Oktober-Wochenende müssen ja die entsprechenden Jubelfeiern vorbereitet, der Champagner kalt gestellt und die Häppchen geschmiert werden.
Überall herrscht großes Herzklopfen! Wird dieses Mal die Regierung, mit Fackeln in der Hand, am Volk vorbei ziehen – oder ist es dieses Mal umgekehrt?!

Orden werden vergeben

Wer bekommt wohl in diesem Jahr wieder Orden für „irgendetwas“, das keiner bemerkte und das eigentlich auch gar nicht wichtig ist?! Wen werden Angela Merkel und Manuela Schwesig, die derzeit populärsten „Frontfrauen der deutschen Politik“, wohl dieses Mal herzen? Wie lauten wohl die Losungen auf den Transparenten? Gibt es kostenlos Bratwurst und Freibier für diejenigen, die an den offiziellen Demos teilnehmen werden? Und die entscheidende Frage: Wer erhält 2015 den „goldenen Wendehals“? Namen können hier aus guten Gründen nicht genannt werden, aber es gibt einige heiße Kandidatinnen und Kandidaten für diese so einzigartige Auszeichnung!

Gute Chancen haben insbesondere die Reiferen. Wer schon Kaiser, Führer, Staatsratsvorsitzenden und sämtlichen Kanzlern bzw. der einzigen Kanzlerin zujubelte, vor diesen katzbuckelte, diese verehrte, hat allerbeste Chancen auf den besagten „goldenen Wendehals“.

Schön wäre es natürlich, wenn der berühmteste Wendehals des vereinten Mutter- und Vaterlandes (neuer Gender-Jargon) dazu das passende Lied singen würde, also Gottlieb Wendehals mit seiner berühmten „Polonäse“ – dieses Mal von Kap Arkona bis zum Bayrischen Wald.

Schluß mit den negativen Schlagzeilen!

Und jetzt ist auch endlich mal Schluß mit den negativen Schlagzeilen! Milliarden-Klagen gegen Deutsche Bank, Siemens, SAP, Deutsche Bank, VW usw.?! Milliardenfache Geldvernichtung dank Stuttgart 21, Berliner Flughafen, CargoLifter, Hamburger Elbphilharmonie, Werten“rettungen“ & Co.?! Geschönte Statistiken bezüglich Arbeitsmarkt und Wirtschaftsentwicklung?! Selbstbedienungsmentalität unserer demokratischen Partei (inklusive selbst verordneter Diätenerhöhung und Pensionssicherung)?! Astronomische Kosten für die Rettung von Geldinstituten, die sich verzockten?! Dopingbetrügereien im Spritzensport?! Flüchtlingsströme ohne Ende, deren Ursachen auch hierzulande liegen…

Das alles ist jetzt obsolet! – „Uns geht es gut!“ – „Wir schaffen das!“ – „Wenn nicht wir, wer dann!“ – „So wie wir heute arbeiten werden, so werden wir morgen leben!“ – „Was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall!“ – „Wir haben unsere Schäfchen im Trockenen!“ – „Positiv denken!“ – „Prosit!“ – „Das Glas ist halb voll, aber die Flaschen sind bereits leer!“ – „Geld verdirbt den Charakter!“

Genau so ist es. Immer das Schöne sehen. Immer brav Kanzlerin, Bundesfamilienministerin, den „objektiven“ Sekundärmedien und der eigenen Schwiegermutter folgen, dann ist eines gesichert: „Einmal Schlafschaf – immer Schlafschaf!“. So lebt es sich ganz ruhig. Nur nicht anecken, nur nicht nachdenken, schön „weichgespült“ agieren! Die Karriere kann beginnen…

Wie in der DDR?!

So oder so ähnlich lief das in der DDR ja auch. Man suchte – ganz gestelzt und gekünstelt – Kontakt zum gemeinen Volk, zeigte sogar Herz für Menschen mit Migrationshintergrund. Wie der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR 1989, der mit einem kleinen Mädchen aus dem sozialistischen Laos „Small Talk“ hielt: „Wie heißt du denn?“, fragte Erich Honecker beim Besuch eines internationalen Kindergartens in Berlin seinerzeit ein Mädchen. „Ich bin die Ming aus Laos.“ – Darauf Honecker: „Und weißt du denn auch, wer ich bin?“ – Das Mädchen aus Laos: „Natürlich, du bist der King vom Chaos.“

Tja, Undank ist der Welten Lohn! Mal schauen, was bald ein Flüchtling aus Absurdistan unserer Kanzlerin sagen wird?!

Und auch mit der Versorgungslage damals und heute wird ja mittlerweile vieles verklärt. Okay. In der DDR mußte man nach Kuba-Apfelsinen, Bananen und bambina-Schokolade anstehen. Na und! Die Freude, wenn man nach drei Stunden Anstehen vielleicht die letzte Banane ergatterte, war um so größer! Gut, in der „Zone“ gab es keine bunten Verpackungen! Aber was ist da heute drin: Nur Chemie, Essbares aus dem Reagenzglas!

Und in der DDR wußten wir um unsere Abgase. Wir hatten es gar nicht nötig, irgendwelche Software-Programme zu entwickeln, um Abgas-Werte zu verschleiern. Wer überhaupt ein Auto hatte, machte daraus kein Hehl und ließ ungefiltert Dampf ab. Das war, das ist doch „echte Freiheit“! Freiheit bedeutet eben auch immer die Freiheit, Dampf abzulassen. Das meinte schon die DDR-Aktivistin Erna Schluckauf.

Behördliche Unfreundlichkeiten?!

Sicher, es gab Versorgungsengpässe, aber es kann niemand behaupten, dass bei Beschwerden wirklich unfreundlich reagiert wurde, wie die folgende Eingabe des Schweriner Genossen Gerhard Müller an Erich Honecker im Frühjahr 1988 beweist: Eine Eingabe an den DDR-Staatsratsvorsitzenden: „Werter Genosse Staatsratsvorsitzender, wenn ich nicht innerhalb von vier Wochen einen neuen Auspuff für meinen Trabant bekomme, hänge ich mich auf.“ Darauf die verständnisvolle Antwort: „Lieber Genosse, hängen Sie sich lieber gleich auf. Ich kann Ihnen nicht garantieren, dass es in vier Wochen noch einen Strick gibt.“ Das nennt man Offenheit – Glasnost und Perestroika auf DDR-Art!
Und was ist heute. Man wird nur hinters Licht geführt, obwohl der Lichtschalter nicht weit ist!

Tja, es ist nicht einfach in diesen Tagen und Wochen in M-V und in ganz Deutschland.

Letzte „News“ vor der „Einheitsfeier“?!

Mittlerweile begnügt man sich schon mit Pressemitteilungen wie diese aus dem Hause von Agrarminister Till Backhaus (M-V): „Nasse Moore sind Klimaretter; das haben Forschung und Pilotprojekte bewiesen. Jetzt sind politische Entscheidungen zu Erhalt und Schutz der weltweit gefährdeten Moore gefragt. Zu einem ersten Parlamentarischen Abend `Moore und organischen Böden` lud daher das neue Greifswald Moor Centrum (GMC) gemeinsam mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V Abgeordnete aus Bund und Ländern am 28. September 2015 nach Berlin…“

Früher hieß es immer, der Mohr oder das Moor hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr oder das Moor kann gehen. Und jetzt hat die „politische Rechtschreibreform“ sogar dafür gesorgt, dass wir alle in selbigem versinken können, sogar sollen…

Zudem kamen „News“ aus der Staatskanzlei M-V, nämlich dass diese die Neuauflage der Broschüre „Gemeinsam neue Märkte öffnen” veröffentlicht. Soll nun etwa aus dem „real“-Markt im Schweriner Schloßparkcenter, der zum 30.September schließt, ein neuer volkseigener Konsum werden?! Devise: „Vorwärts immer, rückwärts manchmal doch?!“

Schwerin wurde schon 1018 urkundlich erwähnt, überstand wie ganz M-V schon seltsamste Herrscherinnen und Herrscher. Nach ein paar Jahren wird man sagen: Wir haben sie geschafft!

Auf zu neuen Ufern… Aber erst einmal zur kostenlosen Bratwurst und zum kostenlosen Freibier am 3.Oktober in M-V und darüber hinaus.

Marko Michels

PPS: Was ist sonst noch los in M-V?! Ach so, ein Schnabelwal verirrte sich in die „Wohlenberger Wiek“, weil ihm ein paar Lachmöwen suggerierten, dass „M-V gut tut“. Inzwischen würde der Schnabelwal am liebsten den besagten Möwen die Schnäbel umdrehen…

Jenseits von M-V sorgte zudem eine Meldung für helle Aufregung „Salzwasser auf dem Mars entdeckt“. Nicht im „Mars“ (viel zu süß und kalorienreich!) sondern auf dem gleichnamigen Planeten. Es könnte Leben dort „oben“ geben… Unsere Bundeskanzlerin darauf: „Es gibt keine Obergrenze für weitere Flüchtlinge hierzulande!“ Also Marsianer, her mit Euch! mm

Foto/Michels: Die Welt, zumindest jene in deutschen und mecklenburgischen Landen,  „steht“ am 3.Oktober wieder „Kopf“.