Harte Nominierungsentscheidung gegen Anna Rüh (SC Neubrandenburg)

Nur noch drei Wochen bis zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking vom 22.August bis 29.August. 66 Athletinnen und Athleten nominierte der Deutsche Leichtathletik-Verband für die leichtathletischen Welt-Titelkämpfe in der Olympiastadt von 2008.

Nur Eine für M-V dabei

Die „Hiobsbotschaft“ für M-V: Nur eine Athletin, die Stabhochspringerin Martina Strutz vom Schweriner SC, Vize-Weltmeisterin 2011, Vize-Europameisterin 2012 und Olympia-Fünfte von 2012, vertritt M-V in Peking.

Harte Entscheidung gegen Anna Rüh

Die gebürtige Greifswalderin Anna Rüh (SC Neubrandenburg), unter anderem Junioren-Weltmeisterin 2012, U 23-Europameisterin 2013, EM-Vierte 2012 bzw. 2014, Olympia-Starterin 2012 und deutsche Weltjahresbeste mit 66,14 Metern, fand im DLV-Team leider keine Berücksichtigung. Anstelle von Anna werden im Frauen-Diskuswerfen in Peking Julia Fischer, Nadine Müller und Shanice Craft für Deutschland starten.

Die wohl härteste Nominierungsentscheidung des DLV für die WM 2015… In der Vergangenheit lieferten sich gerade Anna und Shanice oft spannende Duelle. Mal war die eine besser, mal die andere.

Spannende Duelle in der Vergangenheit

So war Shanice (Gold) bei den U 20-EM 2011 vor Anna (Silber), bei den Leichtathletik-EM 2014 auch (Shanice mit Bronze, Anna auf Platz vier), bei den U 23-EM 2015 dito (Shanice mit Gold, Anna mit Silber) und zuletzt, im Juli, bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg 2015 das gleiche Bild: Shanice wurde Dritte und Anna „nur“ Vierte.

Dafür war Anna wiederum bei anderen wichtigen Wettkämpfen vor Shanice, so bei den Junioren-WM 2012 (Gold für Anna, Silber für Shanice) oder bei den U 23-EM 2013 (Gold für Anna, Silber für Shanice). Zudem schaffte Anna bereits Platz vier bei dem Elite-EM 2012 und war Olympia-Teilnehmerin (mit gutem 10.Platz) – und ist nicht zuletzt Weltjahresbeste aus deutscher Sicht.

Shanice war aber ebenfalls schon olympisch sehr erfolgreich. Sie wurde 2010 Diskuswurf-Siegerin bei den Olympischen Jugendspielen.

War Nürnberg entscheidend?!

Beim letzten wichtigen Wettkampf, den erwähnten nationalen Meisterschaften in Nürnberg, wurde Julia Fischer (65,98 Meter) vor Nadine Müller (65,72 Meter), Shanice Cradt (64,97 Meter) und Anna Rüh (61,97 Meter) deutsche Meisterin. Und das Duell Shanice Craft / Anna Rüh endete mit einem Erfolg für Shanice… Am Ende wohl das berühmte Quäntchen, das den Ausschlag für Shanice Craft gab.

Nun Blick nach Rio

Für Anna gilt bei den verbleibenden Wettkämpfen in dieser Saison, auch ohne WM, ihre Klasse weiter zu bestätigen bzw. zu präsentieren. In einem Jahr warten ja die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro – und mit Blickrichtung Olympia wird die junge SCN-Athletin sicher wieder angreifen. Das Potenzial dazu hat sie, wie sich Erfolg anfühlt, weiß sie ebenfalls, und nicht umsonst ist sie die Jahresbeste im Frauen-Diskuswerfen in Deutschland.

Diskuswerfen und deutsche Frauen – das hat ohnehin eine große Tradition…

Bei Leichtathletik-WM jubelten deutsche Frauen im Diskuswerfen in der WM-Historie oft: Zwischen Helsinki 1983 und Moskau 2013 erkämpften deutsche Diskuswerferinnen 5 x Gold, 4 x Silber – die uneingeschränkte Top-Nation im Frauen-Diskuswerfen. Erst mit Abstand folgen Weißrussland mit 3 x Gold, 1 x Silber, Russland mit 1 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze und Australien mit 1 x Gold, 1 x Silber. WM-Gold im Frauen-Diskuswerfen gab es ebenfalls für Neuseeland, Bulgarien, Kroatien und China (jeweils 1 x). Aus M-V-Sicht freuten sich unter anderem Diana Gansky, in Bergen auf Rügen geboren, über WM-Silber 1987 und Franka Dietzsch, in Wolgast geboren und für den SC Neubrandenburg startend, über WM-Gold 1999, 2005 und 2007.

Die Leichtathletik und die Weltmeisterschaften

Tja, erst seit dreißig Jahren, seit Helsinki 1983, gibt es Weltmeisterschaften in der Leichtathletik. Die WM in Peking sind die nunmehr 15.Auflage. Die WM-Geschichte in der Leichtathletik, dieser so traditionsreichen Sportart, ist damit noch relativ jung. Der Leichtathletik-Fokus war zwischen 1896 und 1980 immer auf die olympischen Wettkämpfe gerichtet, das alleinige sportliche Nonplusultra in der globalen Leichtathletik.

Aber: Es gab auch immer wieder Events „von Welt-Geltung“. Dazu gehören zweifellos, unter anderem, die Erdteilkämpfe zwischen Europa und Amerika 1967 in Montreal und 1969 in Stuttgart. Jedesmal gelang es dem „alten Kontinent“, die Amerikaner zu bezwingen: 1967 mit 169 Punkten zu 155 Punkten und 1969 sogar mit 194 Punkten zu 151 Punkten.

Heftige Schlappen mußten die Amerikanerinnen und Amerikaner auch oftmals beim seit 1977 (bis 2006) stattfindenden Weltcup hinnehmen. Bei der Weltcup-Premiere 1977 siegten die DDR-Herren vor den US-Amerikanern, bei den Frauen war seinerzeit Europa vor der DDR, der Sowjetunion und den USA die Nummer eins. Beim letzten offiziellen Weltcup 2006 distanzierten Europas Herren die USA, bei den Frauen war Russland vor Europa, dem amerikanischen Doppelkontinent und den USA erfolgreich. Seit 2010 gibt es übrigens anstelle des Weltcups den Leichtathletik-Continental-Cup, den Europa zuletzt 2014 mit 447,5 Punkten vor Amerika mit 390 Punkten gewann.

Wer wird 2015 die Nummer eins?!

Niederlagen für die amerikanischen Leichtathletik-Teams setzte es außerdem 1983 in Helsinki und 1987 in Rom, als die DDR jeweils im Medaillenspiegel Platz eins belegte. Allerdings: 1991, 1993, 1995, 1997, 1999, 2003, 2005, 2007, 2009 und 2011 waren die USA die Topp-Nation. Im Jahr 2001 stellte hingegen Russland bei den WM die beste Mannschaft. Und bei den vorerst letzten WM 2014 in Moskau errangen die US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner die meisten Medaillen (25, bei 6 x Gold). Russland schaffte hingegen sogar sieben Goldene (insgesamt 17 Medaillen).

Mal schauen, wer in Peking 2015 vorn sein wird?!

Marko Michels

Foto/Michels: Sommer-Zeit ist auch weltmeisterliche Leichtathletik-Zeit.