Glawe: Demografie und Digitalisierung – MV steht vor doppeltem Strukturwandel

Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist am Mittwoch das Thema „Menschen Zukunftsperspektiven bieten – Fachkräftelücke schließen“ diskutiert worden. „Die Wirtschaft läuft gut, die Basis des Erfolgs sind die Mitarbeiter in den Unternehmen. Fachkräfte schaffen Innovationen, generieren Wertschöpfung und sind das Rückgrat für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.

Wir müssen gemeinsam die Voraussetzungen schaffen, damit die Wirtschaft weiter vorankommt. Dazu zählen Fachkräftesicherung und Fachkräftegewinnung. Ein volles Auftragsbuch, ohne Mitarbeiter, die diese umsetzen können, nutzt am Ende keinem etwas“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe im Landtag.

Gute wirtschaftliche Entwicklung macht sich auf Arbeitsmarkt bemerkbar – MV steht vor doppeltem Strukturwandel

Im vergangenen Jahr (2016) lag das Bruttoinlandsprodukt bei 41,4 Milliarden Euro (+1,3 Prozent zu 2015). „Das ist das historisch höchste Bruttoinlandsprodukt unseres Landes. Die positive wirtschaftliche Entwicklung schlägt auch auf den Arbeitsmarkt durch. Und das obwohl Mecklenburg-Vorpommern seit der Wende den größten demografischen Wandel aller Bundesländer verkraften muss.

Die Arbeitsmarktlage hat sich in den vergangenen Jahren substanziell verbessert. Und in der Zukunft stehen wir nicht nur wegen der demografischen Entwicklung, sondern auch aufgrund der Digitalisierung von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft vor einem doppelten Strukturwandel“, betonte Glawe weiter.

Mehr ganzjährige Beschäftigung im Tourismus

Waren in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2011 im Durchschnitt noch rund 107.500 Menschen arbeitslos, so waren es im Jahresdurchschnitt 2016 rund 80.400 Menschen.

„Die saisonalen Effekte der Beschäftigung werden im Tourismus kleiner. Das bedeutet, dass mehr ganzjährige Beschäftigung entsteht. Mittlerweile ist auch die Gesundheitswirtschaft ein Wachstums- und Beschäftigungstreiber für unser Land. Jeder fünfte Erwerbstätige (ca. 150.000 Erwerbstätige) hat heute in dieser Branche in Mecklenburg-Vorpommern seinen Arbeitsplatz. Klar ist aber auch: Damit dürfen und wollen wir uns nicht zufrieden geben“, mahnte Wirtschafts- und Arbeitsminister Glawe.

Die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse liegen – nach aktuellsten Zahlen für Februar 2017 – bei 548.400 Beschäftigten. Seit Jahresbeginn meldeten unsere Unternehmen den Arbeitsagenturen und Jobcentern 18.000 Stellenangebote für sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das sind 1.500 Stellen oder 9,0 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Erwerbsfähige in den Arbeitsmarkt zu integrieren

Es gilt, möglichst viele Erwerbsfähige im Land in den Arbeitsmarkt zu integrieren und so die dort schlummernden Fachkräftepotenziale zu nutzen. „Verbesserte Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf helfen dabei. Das ist heute nicht nur für Eltern oder bei der Pflege von Familienangehörigen ein Thema. Flexible auf Lebensabschnittsphasen angepasste Arbeitszeitmodelle erwarten heute gerade die Jüngeren von Unternehmen, die mit der Zeit gehen“, erläuterte Wirtschaftsminister Glawe.

Im Handwerk unterstützt das Wirtschaftsministerium die Fachkräftesicherung mit der Kampagne „Besser ein Meister“. Gemeinsam mit den Handwerkskammern wird das positive Image des Meisters befördert und die Identifikation mit dem Meisterhandwerk gestärkt. Auch das Projekt „Unternehmensnachfolge MV“ wird fortgeführt, um Fachkräfte zu halten.

Perspektive für Langzeitarbeitslose schaffen

Das Wirtschafts- und Arbeitsministerium unterstützt von Ar-beitslosigkeit betroffene Menschen und Familien bei der Ar-beitsmarktintegration. „Für Langzeitarbeitslose ist es wichtig, die soziale Teilhabe durch Arbeit zu ermöglichen. Mit der Bürgerarbeit sollen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose entstehen. Davon sollen nicht nur gemeinnützige, sondern auch gewerbliche Unternehmen profitieren, ohne dass es zu Verdrängungseffekten kommt. Das Programm soll noch im Sommer starten“, sagte Glawe.

Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt

In der Zuwanderung von geflüchteten Menschen liegt die Chance, nicht nur vielfältiger und bunter zu werden. „Es ist auch die Möglichkeit, die eine oder andere vakante Stelle, schneller oder sogar überhaupt besetzen zu können. Deswegen ist die Unterstützung für die Wirtschaft bei der Integration von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt von besonderer Bedeutung“, betonte Wirtschafts- und Arbeitsminister Glawe. „Unter-nehmer bekommen bei der Einstellung von geflüchteten Menschen Hilfe und Begleitung durch Joblotsen. Sie sollen vor allem kompetente Berater und Betreuer von Arbeitgebern bei allen Fragen der Einstellung und Beschäftigung von geflüchteten Menschen sein“.

Qualifizierungsoffensive soll im Sommer starten

Es wird nicht nur wegen des demografisch zurückgehenden Angebots an Arbeitskräften in Teilbereichen Engpässe bei Fachkräften geben. „Die digital vernetzte Arbeitswelt ist durch komplexere Tätigkeiten gekennzeichnet. Die Nachfrage nach höheren Qualifikationen wird weiter steigen.

Der demografische Wandel bedingt in Verbindung mit dem digitalen Strukturwandel im Zuge der Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeit eine zunehmende Polarisierung von Arbeit. Das bedeutet unter anderem, dass sich Arbeit örtlich, zeitlich und qualitativ verändern wird. Dieser doppelte Strukturwandel führt zu steigenden Arbeitsplatzanforderungen.

Das Wissen und der langjährige Erfahrungsschatz der Mitarbeiter sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Unternehmenserfolges. Qualifizierung ist der Schlüssel zum Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Glawe. Der Minister machte auf die Qualifizierungsoffensive in Unternehmen aufmerksam. Das Wirtschaftsministerium unterstützt künftig die Weiterbildung der Beschäftigten des verarbeitenden Gewerbes und Teile des Handwerks.

Die Offensive soll im Sommer dieses Jahres starten. Dabei bleibt die bewährte Förderung der Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Bildungsschecks aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) erhalten. Förderfähig ist der ganze Prozess der Fachkräftesicherung und -qualifizierung.

„Wir bieten damit eine effektive Hilfe an, sich an den sich vollziehenden Wandel anzupassen und damit wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Glawe. Ergänzend werden kleine und mittlere Betriebe des verarbeitenden Gewerbes bei der Ersteinstellung von Hochschulabsolventen mit technischem Hochschulabschluss in den ersten beiden Jahren unterstützt. „Wir werden auch weiterhin gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden, den Tarifpartnern und mit den Unternehmen selbst daran arbeiten, die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes zu erhalten und auszubauen“, so Glawe abschließend.

Pressemitteilung / Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit M-V