Mozart und Mahler stimmen feierlich auf das maritime Fest ein

Mit einem hochkarätig besetzten Konzert eröffnen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern am Mittwoch, den 9. August um 19:30 Uhrdie Hanse Sail – das größte maritime Fest des Bundeslandes. Dabei trifft die Industrieromantik der ehemaligen Rostocker Neptun-Werft in der Halle 207 erneut auf die Musiker der jungen norddeutschen philharmonie.

Mit dem Klarinettenkonzert A-Dur von Mozart und Mahlers Sinfonie Nr. 7 stehen zwei echte Klassiker auf dem Konzertprogramm. Die Leitung liegt bei Jonathan Stockhammer, der solistische Unterstützung von David Orlowsky, einem der außergewöhnlichsten Klarinettisten seiner Generation, bekommt. Das Konzert findet mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, des BMW Partners Autohaus Wigger und der SR Service GmbH statt.

Die junge norddeutsche philharmonie wagt sich zusammen mit dem charismatischen Dirigenten Jonathan Stockhammer an zwei aus den Konzertsälen nicht wegzudenkenden Werken. Wolfgang Amadeus Mozart komponierte sein einziges Konzert für Klarinette und Orchester in seinem Todesjahr und vereint seinen ganzen Erfahrungsschatz in sich. Das kommt unter anderem in dem zweiten Satz mit seiner bezaubernden Melodie zum Ausdruck, die aufgrund seiner Sinnlichkeit als musikalische Umrahmung für Filme wie Out of Africa diente. Die siebte Sinfonie von Gustav Mahler ist kein leicht zu erschließendes Werk, Mahler selbst quälte sich sehr mit der Komposition.

Einem dichten und komplexen Kopfsatz folgt ein Satz mit dem programmatischen Titel Nachtmusik, in der das Bild eines nachtwandelnden Musikers evoziert werden soll. Ein mit „schattenhaft“ betiteltes, groteskes Scherzo schließt sich an, bevor sich mit einer weiteren, kammermusikalisch anmutenden Nachtmusik, der Bogen der Mittelsätze schließt. In einem angedeuteten „per aspera ad astra“-Konzept wirkt das triumphierende Finale in teils strahlendem C-Dur, das an das Festliche und Auftrumpfende der Ouvertüre zu „Den Meistersängern“ erinnert und im starken Kontrast zu den introvertierten, vorherigen Sätzen steht.

Die junge norddeutsche philharmonie wurde im Jahr 2010 als Beitrag zur Förderung des musikalischen Spitzennachwuchses in Mecklenburg-Vorpommern von ehemaligen, engagierten und hochmotivierten Musikern des Landesjugendorchesters MV (LJO) ins Leben gerufen. Impulse für diese Initiative waren der Drang, die im LJO angeregte Spielfreude an sinfonischer Literatur mit Studierenden auf einem höheren Niveau weiterzuführen, die Neugier darauf, Projektplanung selbst in die Hand zu nehmen, das Bestreben, die selbst erfahrene musikalische Ausbildung und Bereicherung in die Kulturszene des Landes zurückzuführen sowie eine Ausbildungsplattform für Musiker auf dem Weg zur Profikarriere zu bieten.

So verbirgt sich hinter dem Namen junge norddeutsche philharmonie ein professionell arbeitendes Netzwerk, das Musikstudierende des norddeutschen Raumes und junge Talente norddeutscher Herkunft, insbesondere aus Mecklenburg-Vorpommern, vereint. Die ersten vier Spielzeiten der jungen norddeutschen unter Mitwirkung von über 300 jungen Musikern wurden mit stehenden Ovationen begeistert aufgenommen. Die junge norddeutsche philharmonie tritt jährlich mehrmals im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern auf und darf Partner wie den Norddeutschen Rundfunk, das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, die ZEIT-Stiftung und den TONALi Grand Prix an ihrer Seite wissen.

Sie kann auf die Zusammenarbeit mit dem Armida Quartett, David Kadouch, Jonas Kaufmann, Raphael Wallfisch und Daniel Müller-Schott zurückblicken. Während des Sommerprojekts werden ihre Musiker u. a. von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker, des NDR Sinfonieorchesters, der Philharmoniker Hamburg und der Bremer Philharmoniker betreut.

David Orlowsky ist international für sein fesselndes und ausdrucksstarkes Klarinettenspiel bekannt und gilt heute weltweit als einer der führenden Interpreten des Klarinettenrepertoires von Mozart über Golijov bis hin zur Klezmermusik. Als Sony Exklusivkünstler hat er bisher sieben CDs veröffentlicht und wurde bereits dreimal mit dem ECHO Klassikpreis ausgezeichnet. Im Alter von 16 Jahren gründete er das mehrfach preisgekrönte David Orlowsky Trio (mit Jens-Uwe Popp, Gitarre und Florian Dohrmann, Kontrabass). Das Trio gilt heute als richtungsweisend im Bereich der neuen Weltmusik und konzertiert weltweit. Solistisch sowie mit seinem Trio spielte er bereits auf allen großen internationalen Festivals und in den großen Konzerthäusern dieser Welt.

Jonathan Stockhammer ist innerhalb weniger Jahre zu einem weltweit gefragten Dirigenten geworden. Mit Abschluss seiner Studien zog er nach Deutschland und entwickelte enge künstlerische Beziehungen zu bekannten europäischen Ensembles wie Ensemble Modern, MusikFabrik und Ensemble Resonanz. Inzwischen hat er sich sowohl in der Welt der Oper, als auch der klassischen Sinfonik und der zeitgenössischen Musik einen Namen gemacht. Die Oper spielt eine zentrale Rolle in Jonathan Stockhammers musikalischen Aktivitäten. Die Liste seiner Operndirigate, darunter Die Dreigroschenoper, Zemlinskys Eine florentinische Tragödie, Sciarrinos Luci mie traditrici und Monkey: Journey to the West von Damon Albarn, weist ihn als Dirigenten aus, der komplexe Partituren und spartenübergreifende Produktionen als willkommene Herausforderung begreift und meistert.

Der Schiffbau an der Warnow hat eine große Tradition. 1851 wurde auf dem Gelände der späteren Neptun-Werft mit der „Erbgroßherzog Friedrich Franz“ der erste seegehende eiserne Schraubendampfer Deutschlands zu Wasser gelassen, der den Schiffbau an der Ostseeküste beflügelte. 1890 wurde dann die Neptun AG Schiffswerft und Maschinenfabrik gegründet, umgangssprachlich kurz „Neptunwerft“ genannt.

Sie war Rostocks Traditionsbetrieb schlechthin und zu Beginn des 20. Jahrhunderts der bedeutendste Industriebetrieb Mecklenburgs. Auch die Schiffbauhallen auf dem Neptunwerft-Gelände am Ufer der Warnow sind rund 100 Jahre alt. Nachdem der Schiffbau auf dem ehemaligen Werftgelände 1991 eingestellt wurde, haben die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern 2005 mit einem Konzert der NDR Big Band und der Norddeutschen Philharmonie Rostock sowie einem Gastspiel von Giora Feidman und Iris Berben sowohl die herausragenden akustischen, als auch die besonderen atmosphärischen Qualitäten der ehemaligen Schiffbauhalle öffentlichkeitswirksam entdeckt.

Dank der Festspiele ist die Halle der außergewöhnlichste Konzertort der Hansestadt geworden: Nigel Kennedy, Till Brönner, Armin Mueller-Stahl, Klaus Maria Brandauer, Sir Colin Davis, Julian Rachlin, Hélène Grimaud, Gidon Kremer und Vladimir Ashkenazy standen hier bereits auf der Bühne. Von 2009 bis 2011 nutzte das Volkstheater die Halle als Sommerspielstätte.

Der Idee einer dauerhaften kulturellen Nutzung nimmt sich seitdem ein Förderverein an. Der ursprünglich geplante Abriss ist damit sicherlich vom Tisch, aber die Zukunft der Halle 207 als ganz besonderer Veranstaltungsort bleibt nach wie vor offen. Der mittlerweile verstorbene Sir Colin Davis, der alle großen Konzertsäle dieser Welt erlebt hat, schrieb nach seinem Festspiel-Konzert 2007 mit großen Lettern ins Gästebuch „A GREAT HALL“. Ein schönes Kompliment für die rostige alte Dame.

Karten für die Konzerte, das Programm der Festspiele MV sowie alle weiteren Informationen sind im Internet unter www.festspiele-mv.de, telefonisch unter 0385 5918585 und an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Konzertbeginn. Die Abendkassengebühr beträgt 2,- Euro pro Karte.

Dr. Ina Voigt, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gGmbH

Foto (Michels): In Rostock werden vom 10.August bis 13.August sportlich und auch künstlerisch die Segel gesetzt – bei der 27.Hanse Sail.