Nachgefragt bei der Projektkoordinatorin Kati Mattutat


Greifswald hat nicht nur ungemein vielseitige universitäre und sportive Angebote, nein, die Stadt ist zugleich eines kulturelle Metropole. Seit mittlerweile 13 Jahren besteht hier das Koeppenhaus, das viel Zuspruch erhält. So finden dort Konzerte, Ausstellungen, Work-Shops und Lesungen statt.

Nachgefragt bei Kati Mattutat, Projektkoordinatorin

K.Mattutat über das Koppenhaus zwischen 2002 und 2015

„Eine Bereicherung und nicht mehr wegzudenken…“

Frage: Wann wurde eigentlich genau das Koeppenhaus eröffnet? Wer hatte seinerzeit die Idee dazu?!

Kati Mattutat: Das Koeppenhaus existiert seit Herbst 2002. Der Trägerverein IKAZ e.V. war seinerzeit zur rechten Zeit am rechten Ort, nachdem eine andere Initiative, die im kompletten Haus das Wolfgang-Koeppen-Archiv einrichten wollte, abgesprungen war. Die treibenden Kräfte aus dem IKAZ e.V. (Internationales Kulturaustausch-Zentrum) waren „heimatlos“ geworden, weil sie aus dem AJZ (Alternativen Jugend-Zentrum) in der Falladastraße ausziehen mussten.

Literaturbegeisterte Studenten und einige Einzelpersonen, die Koeppen-Fans waren und sind, engagierten sich bei dem Aufbau des Hauses und der Programmarbeit, die bis heute noch unter „low budget“ läuft.

Im Koeppenhaus sind drei Institutionen beheimatet: das Literaturzentrum, dessen Verein das Koeppenhaus betreibt, das Wolfgang-Koeppen-Archiv der Universität und das Café Koeppen.

Frage: Was waren die Veranstaltungshighlights bei Ihnen – aus ganz persönlicher Sicht?

Kati Mattutat: Das ist immer schwer, einzelne Veranstaltungen besonders hervorzuheben, denn alle Gäste, die kommen, werden ja eingeladen, weil ein persönliches Interesse dahintersteckt und man denkt, das könnte die Greifswalder doch auch interessieren.
Besonders schön fand ich aber die Russischen Kulturtage im Januar diesen Jahres, die ich im wesentlichen mit Raija Hauck vom Institut für Slawistik organisiert habe.

Mit russischen Kulturtagen startete nämlich seinerzeit auch das Koeppenhaus mit seinem regelmäßigen Programm.

Frau Hauck und ich konnten wieder einige Mitstreiter gewinnen, so dass wir zwölf Veranstaltungen unterschiedlichster Richtung hatten: Lesung, Film, Theater, Konzert und Vorträge.

Zwei Höhepunkte waren natürlich die Lesung mit der ukrainischen Autorin Katja Petrowskaja und der Abend mit dem 98jährigen Übersetzer Juri Elperin, ein beeindruckender Mann, der soviel erlebt hat, in diesem Jahrhundert – von Flucht und Vertreibung über Kriegsteilnahme bis zu wunderbarer literarischer Übersetzertätigkeit – das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass dieses alles in ein Leben passt.

Frage: Wie war der Zuspruch bisher in diesem Jahr?

Kati Mattutat: Ich bin zufrieden. Die meisten Veranstaltungen sind gut besucht und natürlich ist das Interesse immer unterschiedlich und auch abhängig davon, was sonst noch so in Greifswald los ist. Und ich bin sehr froh, dass unser Publikum immer so schön bunt gemischt ist.
Frage: Was steht in den kommenden Monaten 2015 noch auf dem Programm des Koppenhauses?

Kati Mattutat: Zunächst freue ich mich auf die Kulturnacht am 11.September. Wir präsentieren von 18.00 Uhr bis 24.00 Uhr ein spannendes Programm im Koeppenhaus, zu welchem man den ganzen Abend immer dazu kommen kann. Zur Kulturnacht ist das Motto bei uns „Ich versuchte die Stadt“, denn unter diesem Motto präsentieren wir im November verschiedene Veranstaltungen rund um Wolfgang Koeppens kunstvoll düsteren Greifswald-Text „Jugend“.

Neugierde darauf soll die Kulturnacht wecken, in der die Besucher Zitate mit der Spielkartenfabrik aus Stralsund drucken, sich im Text-Labyrinth von „Jugend“ sprichwörtlich verirren bzw. es durchlaufen können, Greifswald-Fotos von Torsten Rütz sehen und um Mitternacht das Koeppen-Hörspiel „er.ich“ von Jan Decker hören werden.

Wir haben eine Projektförderung durch den „Fonds Neue Länder“ der Kulturstiftung des Bundes bekommen und entwickeln eine App zu Koeppens Text „Jugend“ und führen verschiedene Workshops und Veranstaltungen im Herbst durch.

Auch das Café Koeppen beteiligt sich natürlich an der Kulturnacht. Hannes Rittig liest brasilianische Kurzgeschichten von Luís Fernando Verissimo um 19.30 Uhr und um 20.30 Uhr im Café Koeppen.

Frage: Welche Bedeutung hat das Koeppenhaus mittlerweile für das kulturelle Leben in Greifswald?

Kati Mattutat: Ich denke, im kulturellen Leben Greifswalds war das Koeppenhaus von Anfang an eine Bereicherung und nun ist es ein fester Bestandteil geworden sowie nicht mehr wegzudenken.

Der Verein kann stolz sein und allen Mitarbeitern und Unterstützern nur dankbar sein für das, was in den letzten 13 Jahren hier „gewuppt“ wurde.

Wenn man bedenkt, dass wir seit 2007 pro Jahr circa 52.000 Euro öffentliche Fördermittel für eine volle Personalstelle, Unterhalt des Hauses sowie für Veranstaltungen bekommen, kann man sich schnell ausrechnen, dass der Verein jährlich etwa die gleiche Summe an Drittmitteln einwirbt, damit die rund100 Veranstaltungen im Jahr stattfinden können.

Leider hat die Bürokratie in den letzten Jahren immer mehr zugenommen, es wird schwieriger das Geld einzuwerben und diese Drittmitteleinwerbung nimmt die meiste Zeit in Anspruch.

Davon können alle Kulturvereine, Jugendprojekte, Bildungseinrichtungen etc. ein Liedchen singen, immer mehr müssen aufgeben… Und dann wundert man sich über die Verrohung der Gesellschaft.

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement für das Koeppenhaus und weiterhin viele Gäste!

Marko Michels

Foto/Michels: Der Marktplatz in Greifswald.