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Im Blickfeld: Die Fußball-WM 2010 in Südafrika
  • 8. April 2010   Artikel drucken
  • Fußball-Spieler aus Mecklenburg und Vorpommern mit klasse Erfolgen in der Vergangenheit

    Fußball-WM-LogoKurz vor den Olympischen Winterspielen 2010 fand auch die Auslosung für die Qualifikationsgruppen zur Fußball-EURO 2012 in Polen und in der Ukraine statt. Fußball-Deutschland, das aber zunächst der WM-Endrunde in Südafrika entgegen fiebert, muß sich in der EM-Quali gegen die Türkei, Österreich, Belgien, Kasachstan und Aserbaidshan auseinandersetzen – stets unberechenbare Gegner, aber wer Europameister werden will, muß diese schon bezwingen. Zudem hat die DFB-Auswahl genügend Ausnahme-Könner, die im „Team-Work“ ein Spiel entscheiden können …

    Auch Spieler aus M-V schrieben bereits Fußball-Geschichte …

    Einer der erst so richtig Geschichte in fußballsportlicher Hinsicht schreiben möchte, ist Toni Kroos, der gebürtige Greifswalder, Jahrgang 1990, der zwischen 1997 bis 2002 beim Greifswalder SC das Fußball-ABC erlernte, dann bis 2006 beim FC Hansa Rostock spielte, zu Bayern München 2006 wechselte und von dort vorerst an Bayer Leverkusen ausgeliehen wurde. Seinen größten internationalen Erfolg feierte Toni bereits 2007, als er mit der DFB-Mannschaft bei der U 17-WM Platz drei belegte und zum besten Spieler des Turniers gekürt wurde. Toni gehört zweifellos zu den kommenden Leistungsträgern in der Nationalmannschaft, insbesondere mit besonderer Blickrichtung EURO 2012.

    Einige fußballsportliche Highlights aus M-V-Sicht

    Ein Rostocker Quartett erobert (fast) den Fußball-Olymp 1964

    So waren die Rostocker Kicker Wolfgang Bartels, Jürgen Heinsch, Herbert Pankau und Klaus Dieter Seehaus bei den Olympischen Spielen 1964 nicht nur Teilnehmer, sie konnten sogar die Bronzemedaille erkämpfen. Herbert Pankau sowie Klaus-Dieter Seehaus wurden viermal in WM-Qualifikationen der DDR-Auswahl eingesetzt und wussten dabei gegen Teams wie z.B. Italien oder Wales zu überzeugen.

    Wolfgang Bartels hatte zwei Einsätze in der DDR-Mannschaft und Torwart Jürgen Heinsch stand siebenmal im DDR-Gehäuse. Hans-Ulrich “Sprotte” Grapenthin aus Wolgast (Olympiasieger 1976 !) stand 21 Mal im DDR-Tor und der Rostocker Goalie Bernd Jakubowski errang 1980 Olympia-Silber, ebenso wie der gebürtige Schweriner Stürmer Wolf-Rüdiger Netz. Der Vorpommer Erich Hamann, 1944 in Pasewalk geboren, der u.a. für Pasewalk, Greifswald, Neubrandenburg und Frankfurt/Oder spielte, war einer der WM-Helden von 1974.

    Zwei (Endrunden) auf einen „Streich“ plus einen Kische

    Olympische als auch WM-Endrunden-”Luft” konnten in den 1970ern Joachim Streich und Gerd Kische genießen. Streich erkämpfte 1972 bei den Olympischen Spielen 1972 in München die Bronzemedaille mit der DDR-Equipe. Kische holte 1976 mit dem vor rund zwei Jahren verstorbenen Nationaltrainer Georg Buschner gar Olympia-Gold. In der bronzenen Olympia-Auswahl der DDR 1972 stand mit Dieter Schneider als Ersatz-Torwart ein weiterer Hansa-Spieler.

    Ein besonderes Erlebnis war dabei 1972 das innerdeutsche Duell DDR gegen das DFB-Team von Trainer Jupp Derwall, in dem solche starken Spieler wie Uli Hoeneß, der heutige Bayern-Manager, Jürgen Kalb, der bekannte Sportjournalist, und der derzeitige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, einer der besten deutschen Trainer der Gegenwart, eingesetzt wurden. Das Spiel war ausgeglichen und von enormer Spannung. Joachim Streich konnte in der 53.Minute – nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Uli Hoeneß – sogar die 2:1-Führung erzielen. Zwar kam die DFB-Auswahl dank O.Hitzfeld noch einmal zum Ausgleich, aber in der 82.Minute “setzte” Eberhard Vogel dann den 3:2-Siegtreffer für die DDR.

    Stark präsentierte sich die DDR-Elf zwei Jahre später bei der WM-Endrunde 1974 in der Bundesrepublik. In der Vorrunde gab es den legendären 1:0-Sieg gegen das Team um Franz Beckenbauer, wobei der Pasewalker Erich Hamann den “tödlichen Pass” auf Jürgen Sparwasser gab, ein 1:1 gegen Chile und einen 2:0-Triumph gegen Australien (mit einem Treffer von Joachim Streich). In der Zwischenrunde war die Konkurrenz aus Brasilien (0:1) und Holland (0:2) allerdings überlegen. Gegen Argentinien konnte das Team von Joachim Streich und Gerd Kische beim 1:1 aber gut mithalten (zumal Streich hier seinen zweiten WM-Treffer erzielte) und belegte in der WM-Endabrechnung einen hervorragenden 6.Platz. Gerd Kische wurde bei der WM 1974 sechsmal und Joachim Streich viermal eingesetzt.

    Von Wismar via Rostock nach Magdeburg

    Joachim Streich wurde übrigens im April 1951 in Wismar geboren und spielte zunächst für Aufbau Wismar bzw. für die TSG Wismar (bis 1967), ehe er dann von 1967 bis 1975 für Hansa Rostock erfolgreich war. Zwischen 1975 und 1985 kickte der Wismarer Fußballspieler dann für Magdeburg. Von 1969 bis 1983 war Streich auch in der DDR-Nationalmannschaft der Top-Stürmer (98 A-Länderspiele plus 4 Olympiaspiele mit 55 Toren.

    Carsten Jancker – Vize-Weltmeister 2002

    Neben Achim Streich war Carsten Jancker, Jahrgang 1974, ebenfalls ein sehr erfolgreicher Fußballspieler aus Wismar.

    Carsten Jancker trat 1981 der TSG Wismar bei. Dort erlernte der Siebenjährige die Grundpraxis des Fußballsports. Seine Laufqualitäten im Spiel haben dabei “ihre Wurzeln” in der Familie. Mutter Marlen Jancker spielte früher im DDR-Nationalteam und galt als eine der besten Kreisläuferinnen.

    Im Jahr 1986 verließ Jancker den TSG Wismar und wechselte zu Hansa Rostock. Dort blieb er bis zum Jahr 1991. Nach dem Fall der Mauer suchte er sich seine sportliche Heimat im Westen. Er trat dem 1. FC Köln bei und spielte erstmals für die Bundesliga. Im Jahr 1995 verließ er Deutschland.
    Er ging “über die Alpen” und “heuerte” bei Rapid Wien “an”. Auf Anhieb wurde er mit seinem Team österreichischer Meister. Im Jahr 1996 kam er mit Rapid Wien bis ins Finale des Europapokals der Pokalsieger. Auch sein privates Glück fand Jancker in Wien, wo er seine spätere Frau Natascha kennen lernte. Inzwischen ist Jancker zweifacher Vater. Jedoch schon im gleichen Jahr, 1996, löste er sich von dem Wiener Verein. Dennoch hatte der Wismarer in Wien den größten Sprung in seiner fußballsportlichen Entwicklung gemacht.

    Während seiner Wiener Fußballjahre wurde aus Carsten Jancker ein super Stürmer.
    Den Fußballer von der Ostseeküste zog es dann zu dem Rekordmeister Bayern München, für den er seit Juli 1996 spielte. Im Jahr darauf wurde er mit den Bayern erstmals deutscher Meister.

    Drei weitere nationale Titel folgten, dazu die Triumphe in der Champions League und im Weltpokal 2001. Im Jahre 2002, bei der Fußball-WM in Korea und Japan, wurde der Hanseat Vize-Weltmeister.

    Weitere Stationen seiner Fuballer-Karriere waren Udinese Calcio (Italien/bis 2004), der 1.FC Kaiserslautern (bis 2006) und Shanghai Shenhua (2006). Noch 2006 kehrte er nach Österreich zurück.
    Der gebürtige Grevesmühlener Carsten Jancker wurde in 33 DFB-A-Länderspielen eingesetzt und schoß 10 Tore. Bereits bei der EM-Endrunde 2000 berücksichtigte ihn der damalige National-Coach Rudi Völler.

    Heino Kleiminger, der Mann mit dem „Tor-Instinkt“

    Neben z.B. Joachim Streich oder Carsten Jancker hat die Weltkulturerbe-Stadt Wismar auch einen weiteren Fußballspieler der Sonderklasse in ihren Reihen, der 1963 sein Länderspiel-Debüt gab: Heino Kleiminger wurde am 3.Februar 1939 in Wismar geboren und sollte zwischen 1955 und 1974 die Fußball-Arenen nicht nur in seiner Geburtsstadt Wismar, sondern dann zwischen 1956 und 1969 beim FC Hansa Rostock und sogar bei Länderspiel-Einsätzen mit seinem Tor-Instinkt bereichern.

    Ende der 1940er Jahre begann sein Interesse für das Fußballspielen und kam Anfang der 1950er Jahre zu Motor Wismar. Von 1954 bis 1956 besuchte der Hanseate die Oberschule “Geschwister-Scholl” in Wismar und trainierte nach dem Unterricht natürlich für den Fußballsport.

    Schnell wurde sein Talent erkannt und bereits als Siebzehnjähriger wechselte er 1956 nach Rostock, besuchte dort die Kinder- und Jugendsportschule und entwickelte sich beim SC Empor/FC Hansa Rostock zu einem ausgezeichneten Stürmer.
    In 186 Oberliga-Spielen für den FC Hansa Rostock erzielte Kleiminger 62 Tore. Auch bei seinen Länderspieleinsätzen war er stets der “Mann mit dem Tor-Riecher”.

    Im Jahre 1963 stand er sowohl gegen Bulgarien als auch gegen Burma im DDR-Team. Ein Jahr später durfte er gegen Ceylon und Ghana in der DDR-Nationalmannschaft mit auflaufen, wobei er gegen Ceylon, das heutige Sri Lanka, gleich vier Tore erzielte (Tor-Bilanz gesamt: in vier Länderspielen fünf Tore).

    Höhepunkte in seiner Karriere waren zweifellos die neun Einsätze in der DDR-Olympia-Auswahl. In Warschau 1964 erzielte er beim sensationell hohen 4:1-Erfolg der DDR in der Olympia-Quali gegen die damalige UdSSR “sein Tor”. Die DDR-Olympia-Auswahl im Fußball konnte letztendlich im Olympia-Turnier 1964 in Tokyo Bronze erkämpfen – leider ohne Heino Kleiminger.
    Da er sich im Vorfeld einen Knöchelbruch zuzog, erlebte er Olympia nur vor dem TV-Bildschirm. Seine Rostocker Kollegen Jürgen Heinsch, Klaus-Dieter Seehaus, Wolfgang Barthel und Herbert Pankau konnten hingegen Bronze in Empfang nehmen.

    Seine aktive Zeit ließ Heino Kleiminger zwischen 1970 und 1974 bei der TSG Wismar ausklingen. Er selbst blieb bzw. bleibt natürlich seiner Geburtsstadt, dem FC Hansa und dem Fußballsport allgemein, z.B. als Übungsleiter oder Trainer, verbunden.
    Heino Kleiminger wohnt gegenwärtig in Graal-Müritz.
    Im letzten Jahr folgte das runde Jubiläum nach dem Motto “70 Jahre für den Fußballsport”.

    Kicker aus M-V im EM- oder EM-Quali-Einsatz

    Zahlreiche weitere Fußballspieler mit Wurzeln in M-V hatten sowohl in der EM-Qualifikation als auch bei EM-Endrunden starke Auftritte. Erinnert sei nur an den gebürtigen Malchiner Thomas Doll, der in der EM-Quali 1988 drei Spiele für die DDR bestritt und dann zur EURO 1992 (Quali und Endrunde) neunmal das DFB-Trikot überstreifte.

    Nicht zu vergessen sind die Einsätze von „Sprotte“ Hans-Ulrich Grapenthin, dem Torwart aus Wolgast, zwischen 1976 und 1980. Erinnert sei auch an Jürgen Heinsch (1964), Gerd Kische (1972-1980 12 EM-Quali-Spiele und 1976 gar Olympiasieger !), den gebürtigen Rostocker Norbert Trieloff (Olympia-Zweiter 1980), den gebürtigen Schweriner Kicker Wolf-Rüdiger Netz (EM-Quali-Einsatz 1980), Herbert Pankau (5 Einsätze in der EM-Quali 1968) oder den gebürtigen Wismarer und Hansa Rostock-Spieler Joachim Streich (17 Einsätze in der EM-Quali zwischen 1972 und 1984 mit 9 Toren) – um nur einige Beispiele zu nennen.

    Bei der letzten EM-Endrunde 2008 wurde der gebürtige Neubrandenburger Tim Borowski sogar Vize-Europameister mit dem DFB-Team.

    Mecklenburg-Vorpommern ist eben auch oder gerade ein Fußball-Land !

    Wie meinte Joachim Masuch, Präsident das Landesfußballverbandes, kürzlich auf die Frage nach den WM-Favoriten 2010: „Hier sind die aus den zurückliegenden Titelkämpfen bekannten National-Teams aus Brasilien, Spanien, Argentinien, Italien, Holland, Deutschland und eventuell die Elfenbeinküste zu nennen. Ich könnte mir auch eine Wiederholung der Finalpaarung aus der EURO 2008 – Spanien gegen Deutschland – für das Finale dieser FIFA-WM am 11.07.2010 in Johannesburg vorstellen.“

    Vielleicht ist Toni Kroos dann mit dabei …

    Marko Michels

    Tags: Fußball, Südafrika, WM



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