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Medaillenchancen für deutsche Winter-Paralympioniken
  • 10. März 2010   Artikel drucken
  • Mitte März beginnen die Winter-Paralympics in Vancouver und in Whistler

    Förderung durch Allianz und Deutsche Telekom

    Das deutsche Team bei den Winter-Paralympics 2010: 20 deutsche Sportlerinnen und Sportler werden ab dem kommenden Samstag, 13. März, ihre Wettkämpfe in den Sportarten Ski alpin, Ski nordisch und Rollstuhl-Curling bestreiten.Vom 12. März bis zum 21.März finden die Paralympischen Winterspiele 2010 in Vancouver und in Whistler statt. 505 paralympische Athleten aus 44 Nationen kämpfen um Gold, Silber und Bronze. Die Teilnehmer des Deutschen Top Teams konnten sich diesmal dank des innovativen Fördermodells, das die Allianz und die Deutsche Telekom gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband entwickelt haben, optimal auf ihre Wettkämpfe vorbereiten.

    Im Gegensatz zu den olympischen Athleten ist dies für die Paralympioniken keine Selbstverständlichkeit. Denn sie haben nicht nur einen aufwendigen Alltag zu bewältigen, sondern müssen ihren trainingsintensiven Sport auch mit einer vollen beruflichen Tätigkeit vereinbaren. Doch sportliche Höchstleistungen bei den paralympischen Spielen erfordern eine professionelle, langfristige und vor allem zeitintensive Vorbereitung.

    Mehr Trainingszeit für die Athleten

    Kerngedanke des Konzepts ist es, den Athleten mehr Zeit für Training und Wettkämpfe zu ermöglichen. Berufstätige Sportler können sich bis zur Hälfte ihrer Arbeitszeit freistellen lassen, die Arbeitgeber erhalten dafür einen finanziellen Ausgleich von bis zu 1500 Euro monatlich. Schüler und Studenten werden separat gefördert. Darüber hinaus profitieren die Athleten von einer monatlichen Grundförderung von 200 Euro und können bis zu 6000 Euro im Jahr für die Anschaffung von Sportgeräten zurück erstattet bekommen. Die Förderung wird über die Stiftung Deutsche Sporthilfe ausgezahlt.

    Initiative des Bundespräsidenten zum Erfolg geführt

    Initiiert wurde die Förderung von Bundespräsident Horst Köhler, der beide Unternehmen am Rande der paralympischen Winterspiele 2006 in Turin für eine Förderung begeistern konnte und damit die Grundlage für das Engagement geschaffen hat. Erste Erfolge zeigten sich bereits bei den paralympischen Sommerspielen 2008 in Peking, bei denen das deutsche Team 59 Medaillen gewinnen konnte.

    Auf diese Weise fördert das Programm seit drei Jahren insgesamt mehr als 50 paralympische Athletinnen und Athleten, darunter auch die deutsche sehbehinderte Biathletin Verena Bentele, die sich in Vancouver in nahezu allen nordischen Disziplinen Medaillenchancen ausrechnen darf.

    „Mit Assistanceleistungen, wie unseren Rehabilitationsangeboten für Unfallverletzte, und der Förderung des paralympischen Sports wollen wir als Versicherer mehr für behinderte Menschen tun“, sagt Dr. Gerhard Rupprecht, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG. „Gleichzeitig halten die Leistungen der Paralympioniken uns alle dazu an, nicht auf eine Behinderung – ein “Defizit“ – sondern auf die Potenziale eines Menschen zu schauen und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft.“

    Für die Deutsche Telekom ist die Unterstützung des Behindertensports ein konsequenter Bestandteil ihrer unternehmerischen Verantwortung für die Gesellschaft. „Wir verstehen uns als Partner der Athleten. Mit unserem Engagement helfen wir dabei, dass sich die Spitzensportler auf ihren Sport konzentrieren und sich so optimal auf die Wettkämpfe vorbereiten können”, betont René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. “Erfolge des German Paralympic Top Team verschaffen den Athleten und deren Sport mehr Öffentlichkeit und tragen dazu bei, die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderung voranzutreiben”, so der Telekom-Chef.

    Für den Behindertensportverband ist die Zusammenarbeit mit starken Partnern aus der Wirtschaft im paralympischen Leistungssport unerlässlich. „Ohne die Top Team Förderung von unseren Partnern, der Allianz und der Deutschen Telekom AG, wäre die optimale Vorbereitung auf die Paralympics in Vancouver praktisch nicht möglich gewesen. Die Platzierungen unserer Athletinnen und Athleten bei den bisherigen Europa- und Weltcups zeigen, dass wir mit diesen starken Partnern im Rücken auf dem richtigen Weg sind“, erklärt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes.

    Erfolge im paralympischen Breitensport

    Das Fördermodell schafft in Deutschland die Rahmenbedingungen, die für einen professionell ausgeübten paralympischen Sport notwendig sind. Doch es wirkt darüber hinaus. Rund 6,7 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung leben in Deutschland. Über die Vorbildfunktion der paralympischen Sportler möchte das Programm mehr Menschen mit Behinderung zum Sport ermutigen. Auch hier zeigen sich erste Erfolge: So gewann der Deutsche Behindertensport¬verband allein im Jahr 2008 rund 55.000 Mitglieder hinzu. 4.000 neue sportbegeisterte Leute unter 21 verzeichnet die Deutsche Behinderten Sportjugend im gleichen Jahr.

    Marketa Marzoli

    Exkurs: Die Geschichte der Winter-Paralympics und ein Interview mit Leistungsträger Gerd Schönfelder

    Bei den Winter-Paralympics 2006 in Turin nahmen rund 500 Athletinnen sowie Athleten mit Handicaps aus 39 Ländern teil. 19 Länder konnten in 58 Entscheidungen dabei Medaillen gewinnen. Zu den aus deutscher Sicht sehr erfolgreichen Athleten gehörten die Alpinen, so gewann der alpine Skifahrer Gerd Schönfelder zweimal Gold 2006 in der Abfahrt und im Riesenslalom.

    SledgehockeyIn Vancouver und Whistler 2010 werden 30 Entscheidungen im Alpinen Skisport, 20 Entscheidungen im Nordischen Skisport, 12 Entscheidungen im Biathlon und je eine Entscheidung im Sledge-Hockey sowie im Rollstuhl-Curling ausgetragen. Das deutsche Paralympia-Team dürfte auch 2010 neben Russland, den USA, Kanada oder der Ukraine erneut zu den fleißigsten Medaillen-Sammlern zählen, wobei Edelmetall bekanntlich nicht alles ist.
    Seit 34 Jahren finden Paralympische Winterspiele statt: 1976 in Örnsköldsvik (Schweden), 1980 in Geilo (Norwegen), 1984 in Innsbruck (Österreich), 1988 in Innsbruck (Österreich), 1992 in Albertville (Frankreich), 1994 in Lillehammer (Norwegen), 1998 in Nagano (Japan), 2002 in Salt Lake City (USA) und 2006 in Turin (Italien).

    Wer die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Kanadierinnen und Kanadier kennt, weiß, dass die Winterspiele 2010 sicherlich einen Höhepunkt in der Geschichte des olympischen Wintersportes darstellen werden …

    Der alpine Skifahrer Gerd Schönfelder, Jahrgang 1970, Wohnort Kulmain, über seine Ziele für die Winter-Paralympics, den Stand seiner Vorbereitung und die Aussichten für die Kolleginnen und Kollegen ohne Handicap

    Hoffe auf erfolgreiche Winterspiele …

    Frage: Herr Schönfelder, Sie sind zurzeit einer der besten alpinen Skifahrer mit Handicap der Welt. Wie gelangten Sie zum alpinen Skisport ? Hatten Sie stets leistungssportliche Ambitionen ?

    Gerd Schönfelder: Ich bin schon als kleiner Junge im Alter von sechs Jahren erste Skirennen gefahren und war dabei sehr erfolgreich. Mit neunzehn Jahren hatte ich dann einen schweren Unfall, als ich in einen anfahrenden Zug zusteigen wollte, und unter die Räder geriet. Dabei verlor ich den rechten Arm und Teile der linken Hand. Dennoch gab ich nicht auf, biss mich durch. Es war eben sehr nahe liegend, meine Leidenschaft auch nach diesen Schicksalsschlag weiter auszuüben. Das Skifahren macht mir bis heute sehr viel Spass. Es ist meine Berufung.

    Frage: Im Februar beginnt Teil zwei der Winterspiele 2010, die Winter-Paralympics. Sie waren bereits Teilnehmer bei den Paralympischen Winterspielen von 1992 bis 2006. Ihre Bilanz ist atemberaubend: 12 x Gold / 3 x Silber / 2 x Bronze. Wie intensiv ist Ihr Training eigentlich ? Was haben Sie sich für die Winter-Paralympics 2010 vorgenommen ?

    Gerd SchönfelderGerd Schönfelder:
    Da Training richtet sich nach der Jahreszeit, je nachdem was gerade gefordert ist: Ausdauer, Kraft, Koordination, Schnelligkeit… Die Trainingsinhalte für das Skifahren sind halt sehr abwechslungsreich!
    Grundsätzlich trainiere ich aber mindestens einmal täglich zwei bis sieben Stunden.
    Das Ziel für die Winterspiele ?! Mein Traumziel wäre einmal Gold.

    Frage:
    Wie beurteilen Sie Ihre Vorbereitung auf die Winter-Paralympics 2010 …

    Gerd Schönfelder:
    Es war alles im „grünen Bereich“, es läuft bis jetzt sehr gut. Die bisherigen Ergebnisse in der aktuellen Europacup- sowie Weltcup-Serie mit jeweils fünfzehn bis zwanzig Rennen gaben Anlass zu Optimismus für die Winter-Paralympics im März. Es lief  sehr gut.
    Wer mehr über meine Vorbereitungen und Rennen erfahren möchte, sollte auf meiner Seite www.gerd-schoenfelder.de unbedingt mal vorbei schauen.

    Frage:
    Wenn Zeit übrig ist: Was schauen Sie sich in Vancouver oder in Whistler außer dem alpinen Skisport an ?

    Gerd Schönfelder: Ich hoffe, dass genügend Zeit vorhanden ist, um bei den Nordischen vorbei zu schauen. Auch das paralympische Sledge-Hockey interessiert mich.

    Dann maximale Erfolge bei den Winter-Paralympics 2010 !

    Marko Michels

    Fotos:
    1./3.: Deutscher Behindertensportverband/mit freundl. Genehmigung
    2.: Michels

    Tags: Gerd Schönfelder, Paralympics, Sport mit Handicap, Vancouver, Wintersport



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