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Mischa begrüßte vor 30 Jahren die Sportjugend
  • 15. Juni 2010   Artikel drucken
  • Olympische Erfolge 1980 auch für Athleten aus M-V

    Cierpinski Abschluss MoskauDie Olympischen Spiele 1980 (19.7.1980-3.8.1980) wurden vom Boykott vieler westlicher Länder überschattet. Nachdem die Sowjetunion im Dezember 1979 Afghanistan besetzte, beschloss US-Präsident Jimmy Carter einen Boykott der Spiele, dem sich einige Alliierte und Verbündete, darunter Japan, die Bundesrepublik, Kanada, Kenia, aber auch die Volksrepublik China, anschlossen.
    Damit setzte sich die Reihe unsinniger politisch motivierter Boykott-Maßnahmen gegen Olympia fort: Bereits 1976 gab es einen Boykott afrikanischer Staaten; 1984 nahmen einige Ostblock-Staaten, darunter die UdSSR, die DDR oder Kuba, nicht an den Spielen in Los Angeles teil.
    Dennoch: Die Olympischen Spiele in Moskau vom 19.Juli bis 3.August sorgten für hochklassigen Sport und unvergessene Momente auch aus M-V- Sicht.
    Mehr als 5200 Athletinnen und Athleten aus 81 Ländern nahmen in Moskau teil. Auf dem Programm standen 203 Wettbewerbe in 23 Sportarten. 5,5 Millionen Zuschauer verfolgten die Wettbewerbe, die Segel-Regatten fanden vor Tallinn statt, live. Rund 2 Millionen besuchten die Fußballspiele in Moskau, Minsk, Leningrad und Kiew.
    Am Ende lag das Team der UdSSR mit 80 x Gold klar vor der DDR mit 47 x Gold, Bulgarien, Kuba sowie Italien mit je 8 x Gold, Ungarn mit 7 x Gold, Rumänien bzw. Frankreich mit je 6 x Gold, Großbritannien mit 5 x Gold und Polen mit 3 x Gold. Insgesamt kamen 36 Länder zu Medaillen-Ehren.

    MischaÜbrigens: Berücksichtigt man ausschließlich die Einzel-Wettkämpfe und die Herkunft der verschiedenen Starterinnen und Starter aus den einzelnen Sowjetrepubliken, so war die Russische Föderative Sowjetrepublik genau so erfolgreich wie die DDR. Die anderen Olympiasiege der UdSSR verteilen sich u.a. auf die damaligen Sowjetrepubliken Ukraine, Weißrussland, Georgien, Kasachstan, Kirgisien oder die baltischen Republiken.

    Erfolge auch für Sportler aus Rostock, Schwerin und Neubrandenburg

    Im Schwimmen konnte Andrea Pollack Gold über 4 x 100 Meter-Lagen und Silber über 100 Meter-Butterfly erobern. Im Boxen erkämpfte Richard Nowakowski im Leichtgewicht Bronze. Im olympischen Volleyball-Turnier der Frauen sorgte die DDR-Auswahl mit Siegen über Peru und Kuba für Überraschungen und erreichte das Finale gegen die UdSSR, das nach großem Kampf zwar mit 1:3 verloren wurde, aber bis zum heutigen Tag die einzige deutsche Olympia-Medaille im Frauen-Volleyballsport bedeutet.

    In der DDR-Auswahl standen mit Karla Roffeis, Anke Westendorf, Martina Schmidt und Andrea Heim auch vier Spielerinnen des damaligen SC Traktor Schwerin. Gerd Wessig gewann den Hochsprung mit Weltrekord – 2,36 Meter.

    Doch nicht nur Schwerinerinnen und Schweriner sorgten für Höhepunkte in Moskau:
    Im Zehnkampf avancierte der Brite Daley Thompson zum „König der Athleten“. Die gebürtige Wismarerin Marita Koch gewann die 400 Meter. Die männlichen Sprint-Distanzen wurden eine Angelegenheit des Italieners Pietro Mennea und des Schotten Allan Wells.
    Weltrekordler Mennea wurde Erster über 200 Meter, Wells kam zu Gold über 100 Meter.
    Hauchdünn siegte Ljudmilla Kondratjewa aus der UdSSR über 100 Meter in 11,06 Sekunden vor Marlies Göhr in 11,07 Sekunden. Bärbel Wöckel sprintete über 200 Meter auf Rang eins.
    Miruts Yifter aus Äthiopien trat in Moskau die Nachfolge des Finnen Lasse Viren an und belegte sowohl über die 5000 Meter als auch über die 10000 Meter Platz eins.
    Sebastian Coe und Steve Ovett lieferten sich auf den Mittelstrecken einen „Showdown“: Coe siegte über 1500 Meter, Ovett über 800 Meter. Den Hochsprung gewann „Bella Italia“, Sara Simeoni. Im Dreisprung verhinderte der Este Jaak Uudmäe den vierten Olympiasieg des Georgiers Viktor Sanejew in Folge.

    Teofilo Stevenson mit drittem Box-Gold

    Andrea PollackIndien sicherte sich den achten Olympiasieg im Feldhockey; Simbabwe triumphierte bei der Olympia-Premiere des Frauen-Feldhockeys. Im Herren-Turnen und im Ringen war die Sowjetunion eine Macht, im Rudern die DDR. Die Kubaner stellten die beste Boxstaffel, wobei Teofilo Stevenson sein drittes Gold erkämpfte. Die beste Turnerin 1980 war erneut die Rumänin Nadia Comaneci, die nach dreimal Gold und je einmal Silber sowie Bronze in Montreal 1976, zweimal Gold bzw. zweimal Silber in Moskau 1980 gewann.
    Im Schwimmbecken sorgten die DDR-Schwimmerinnen, um die gebürtige Schwerinerin Andrea Pollack und die für Rostock startende Caren Metschuck, für Rekorde bzw. Gold und Michelle Ford für einen australischen Triumph über 800 Meter-Freistil. Wladimir Salnikow schaffte über 1500 Meter-Freistil glänzende 14:58,27 Minuten.

    Eine Rose für Austria

    Eine Amazone gewann nicht nur Gold, sondern die Sympathie der Sportfans auf aller Welt.
    Die Dressur-Europameisterin 1979 Elisabeth Theurer aus Österreich nahm trotz des Boykotts des eigenen Fachsportverbandes an den olympischen Reiterspielen 1980 teil, wurde in der eigenen Heimat angefeindet (später aber „rehabilitiert“) und gewann auf „Mon Cherie“. Juri Kowschow, der Zweitplatzierte, zollte der Österreicherin Respekt und überreichte ihr bei der Siegerehrung eine rote Rose.
    Auch die Schweiz konnte in Moskau jubeln: Rad-Ass Robert Dill-Bundi siegte in der 4000 Meter-Einzelverfolgung und bedankte sich bei der Bahn mit einem Kuss.
    Marita Koch vom SC Empor Rostock lief über 400 Meter allen davon. Gerd Wessig triumphierte mit Weltrekord im Hochsprung. Turnerin Maxi Gnauck beeindruckte Zuschauer und Kampfrichter.
    Mal nicht im Fußball, dafür jedoch im Segeln, waren die Brasilianer am erfolgreichsten. Bei den olympischen Regatten 1980 vor Tallinn holten sie zweimal Gold. In der 470er Klasse belegten die Rostocker Jörn Borowski/Egbert Swensson den zweiten Platz.
    Im Modernen Fünfkampf wurde der Russe Anatoli Starostin zweifacher Olympiasieger. Im Mannschaftswettbewerb kamen die traditionell starken Ungarn und Schweden zu Silber und Bronze. Eine Litauerin durchbrach wie die Australierin Michelle Ford über die 800 Meter-Freistil die DDR-Siegerinnen-Serie. Lina Kaciusyte triumphierte indes über 200 Meter-Brust.
    Im Fechten machten die Französinnen und Franzosen mit 4 x Gold den „vier Musketieren“ alle Ehre. Im Judo war Frankreich – zusammen mit der UdSSR (je 2 x Gold) – ebenfalls die dominierende Nation.
    Cierpinsk/ iBrietzkePertti Karppinen aus Finnland siegte wie schon 1976 im Ruder-Einer. Im Rudern erkämpften ebenfalls unter anderem die Rostocker Joachim Dreifke, Klaus Kröppelien (Doppelzweier) und Ulrich Kons sowie Ulrich Karnatz Gold. Im Gewichtheben gingen alle Medaillen an die Länder des „Ostblocks“.
    Im Herren-Basketball-Finale trafen hingegen Jugoslawien und Italien aufeinander, wobei Jugoslawien gewann. Dramatik pur gab es im Finale des Handballspieles zwischen der DDR, mit den Rostockern Frank-Michael Wahl und Hans-Georg Jaunich, und der Sowjetunion. Mit 23:22 nach Verlängerung siegten die Ostdeutschen. Die Olympia-Teilnahme des Weltklasse-Spielers Wolfgang Böhme vom SC Empor Rostock verhinderten DDR-Apparatschiki und Stasi.

    DDR mit Fußball-Silber

    Im Kanu-Rennsport beherrschten die UdSSR und die DDR – nicht zuletzt dank der Neubrandenburger Rüdiger Helm und Bernd Olbricht – die Szenerie. Das Endspiel im Fußball konnte die Tschechoslowakei mit 1:0 gegen die DDR für sich entscheiden. Im DDR-Team stand auch der gebürtige Schweriner Wolf-Rüdiger Netz und die gebürtigen Rostocker Norbert Trieloff bzw. Bernd Jakubowski.
    Erfolgreichster Athlet der Spiele wurde der Turner Alexander Ditjatin mit 3 x Gold, 4 x Silber und 1 x Bronze. Die gebürtige Greifswalderin Caren Metschuck, die für den SC Empor Rostock startete, war in Moskau die erfolgreichste Sportlerin mit 3 x Gold und 1 x Silber.

    Im Blickpunkt: Waldemar Cierpinski

    Aber für ganz besonders unvergessene Momente sorgte Waldemar Cierpinski, dem es als zweitem Läufer der Welt gelang – nach Abebe Bikila 1960/64 – den Marathonlauf bei Olympia zweimal zu gewinnen. Bereits 1976 in Montreal war Waldemar Cierpinski die Nr.1 über die 42,195 Kilometer.

    Marko Michels

    Fotos: 1. Bundesarchiv, Bild 183-W0803-0106, Fotograf: Dr.Heinz Frotscher, Datum: 3.8.1980, ADN-ZB Frotscher 03.08.80 Moskau: Olympia-Abschluß- Mit einer beeindruckenden Abschlußveranstaltung wurden die XXII. Olympischen Spiele im Lenin-Stadion von Lushniki beendet. Entsprechend dem olympischen Reglement wurde der Nationeneinmarsch durch die Fahnenträger eröffnet. Die Fahne der DDR trug der Olympiasieger von Montreal und Moskau im Marathonlauf, Waldemar Cierpinski.

    2. Mischa, das Olympia-Maskottchen 1980

    3. Bundesarchiv, Bild 183-T0704-0038, Fotograf: Hubert Link, Datum: 4.7.1978, ADN-ZB Link 04.07.78 Berlin: 29. DDR-Meisterschaften im Sportschwimmen-Kußhändchen an das begeister mitgehende Publikum verteilt die frischgebackene Weltrekordlerin über 200-m-Schmetterling-Distanz Andrea Pollack SC Dynamo Berlin). Sie erreichte mit 2:09,87 min eine phantastische Zeit und holte sich nach den 100 m Schmetterling vom Vortage bereits den zweiten Weltrekord bei diesen Titelkämpfen.

    4. Bundesarchiv, Bild 183-N0730-0313, Fotograf: Hartmut Reiche, Datum: 30.7.1974, Berlin, Grünau, Ruderregatta, DHfK-Vierer/ ADN-ZB Reiche 30.7.74 Berlin: DDR-Meisterschaften im Rudern 1974 – Der DHfK mit Steuermann mit Siegfried Brietzke, Andreas Decker, Stefan Semmler, Wolfgang Mager und Steuermann Werner Lehmann – hier mit Trainer Jörg Weissig – gewann die DDR.Meisterschaften 1974./ Der gebürtige Rostocker Siegfried Brietzke als fünfter Ruderer der Welt dreimal olympisches Gold: 1972 im Zweier ohne, 1976 und 1980 im Vierer ohne. Bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau waren erneut die Achter-Ruderer aus Rostock erfolgreich: Erneut Ulrich Karnatz und Ulrich Kons aus Mecklenburg gewannen Gold. Gold errangen ebenfalls Joachim Dreifke und Klaus Kröppelin im Doppelzweier. Im Doppelzweier der Frauen belegten in Moskau die gebürtige Greifswalderin Cornelia Linse und Heidi Westphal aus Gnoien Platz 2.

    Tags: Boykott, DDR, Jimmy Carter, Moskau, Olympische Spiele



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