Nachgefragt beim Landesanglerverband MV


Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. 2016 ist „in den Startlöchern“. Die meisten sportlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Jubiläen sind gefeiert, viele sportive Vereine und Verbände konnten insgesamt zufrieden auf ihre Aktivitäten zurückblicken und zahlreiche Erfolge konnten diese in den letzten Jahrzehnten aufweisen.

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Das alte Jahr 2015 ist im Endspurt – und so kurz vor den Festtagen heißt es wieder Karpfen oder „Fischstäbchen“. Doch, „die“ müssen erst einmal geangelt werden. Tja und dafür gibt es natürlich Spezialisten – die Angler im Landesangelverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. (LAV M-V e.V.). Natürlich hat das maritime Flächenland M-V dabei eine große Tradition in puncto Angeln und Angelsport.

Bereits 1924 wurde der Schweriner Sportanglerverein gegründet. Auch Rostock-Warnemünde hat selbstverständlich diesbezüglich einiges aufzuweisen. 1931 konstituierte sich der Anglerverein „Ostseestrand“ Warnemünde, ein Vorläufer des Warnemünder Angler-Vereines.

Die Angelgruppe SER Rostock e.V. besteht seit 1970.

Tja, in Mecklenburg und Vorpommern wurde schon immer – ob in Vereinen oder nicht – geangelt.

Doch wie sieht die Situation der Angler und Sportangler zurzeit in M-V aus ?

Nachgefragt bei Prof. Dr. Karl-Heinz Brillowski, Präsident des Landesanglerverbandes M-V e.V.

Prof. Dr. K.-H. Brillowski über 25 Jahre Landesanglerverband M-V, Etappen der Entwicklung des LAV M-V, den Fisch des Jahres, über erfolgreiche Caster aus M-V und den „Fisch des Jahres“

„Auch unsere Kinder sollen noch angeln können…“

Frage: Herr Prof. Dr. Brillowski, seit 25 Jahren besteht nunmehr auch der LAV M-V e.V. Wie verlief die Entwicklung seit 1990 – welche Höhepunkte gab es ? Wie viele organisierte Anglerinnen und Angler im Land gibt es ?

Karl-Heinz Brillowski: Am 27.Oktober 1990 fand die Gründungsversammlung des LAV M-V e.V. in Güstrow statt. Es war der Zusammenschluss von circa 100 000 Anglern der ehemaligen Bezirksfachausschüsse Neubrandenburg, Rostock und Schwerin.

Nach der Gründung hatte sich die Mitgliederzahl sehr stark vermindert. Inzwischen steigt, nach einem Tief, die Zahl unserer organisierten Anglerinnen und Angler wieder an. Im Jahr 2015 hatte der LAV M-V e.V. rund 43 500 Mitglieder in über 600 Vereinen.

Gerade begingen wir sehr festlich 25 Jahre unseres Bestehens. Dabei blickten wir gemeinsam mit unseren Gästen auf die wichtigsten Ereignisse dieser Zeit zurück…

Am 17.Februar 1992 erfolgte die Anerkennung des LAV M-V e.V. als Naturschutzverband nach §29 Bundesnaturschutzgesetz durch die Umweltministerin des Landes M-V Frau Dr. Petra Uhlmann. Am 23.April 1994 fand dann die Gründung des Landesfischereiverbandes M-V in Muess statt. Ein weiterer Meilenstein der Geschichte unseres Verbandes.

Und am 21.Februar 2004 unterzeichneten wir, deutschlandweit als Erste, eine freiwillige Rahmenvereinbarung zur Nutzung eines Natura-2000-Gebietes: „Angeln und Naturschutz in Greifswalder Bodden und Strelasund“.

Es ließen sich viele weitere Etappen nennen, in einem viertel Jahrhundert ist von uns viel bewegt worden, worauf wir sehr stolz sind.

Ich möchte die nur beispielgebende Ausführung mit einer großen Auszeichnung schließen. Wir erhielten die Silberne Ehrenmedaille des Deutschen Angelfischerverbandes – DAFV – auf der Festveranstaltung „25 Jahre LAV“ in Würdigung der Verdienste um die Einheit der deutschen Angelfischerei. Ich nahm sie stellvertretend von unserer DAFV-Präsidentin Frau Dr. Christel Happach-Kasan entgegen.

Frage: Während die große Politik über Fischfang-Quoten debattiert … Was waren die größten Probleme und Hindernisse für die Anglerinnen und Angler hierzulande seit 1990?

Karl-Heinz Brillowski: Wir arbeiteten vier Jahre lang sehr hart an einer der für uns Angler wichtigsten Grundlage zur Ausübung unserer Tätigkeit mit. Die Gestaltung eines anglerfreundlichen Fischereigesetzes für M-V. Es ist dann tatsächlich am 6.Dezember 1993 in Kraft getreten.

Eine weitere Hürde war und ist die Sicherung angemessener Gewässerflächen für die organisierten Angler zu sozial verträglichen Konditionen; wir rangen und erkämpften die Anpachtung der Oberwarnow

DER Dauerbrenner für uns Angelfischer sind die stetig zunehmenden Versuche der Ausgrenzung der Angler aus Gebieten mit Schutzstatus.

Nach §13 Fischereigesetz MV ist die Fischerei in Nationalparken und Naturschutzgebieten im Rahmen des jeweiligen Schutzzweckes grundsätzlich zulässig. Dennoch erleben wir, dass uns der Raum, unserer Angelfischerei nachgehen zu können, immer weiter genommen werden soll. Das ist und bleibt unsere größte Herausforderung, da nicht müde zu werden, wieder und wieder für unsere gute Sache einzutreten.

Wir Anglerinnen und Angler sind selbst daran interessiert, die Natur zu erhalten und zu schützen. Denn wir entzögen uns doch unserer eigenen Grundlage. Deshalb stehen wir ein für Schutz durch nachhaltige Nutzung. Unser Leitziel ist: Damit unsere Kinder noch angeln können!

Frage: M-V hat ja eine große Tradition im Angelsport. 1968 fanden z.B. auch die WM im Casting in Güstrow statt, viele traditionsreiche Vereine gibt es. Zudem lebt mit Helga Wischer, die erfolgreichste Sportanglerin aller Zeiten, im Land. Welche Erfolge konnte M-V in den letzten Jahren im Turnier-Angeln erreichen?

Karl-Heinz Brillowski: Im Jahr 2003 fand der Europacup im Casting in Güstrow statt – das erste internationale Turnier in M-V. Diesen großen Sportwettkampf hier austragen zu können, galt uns als Anerkennung für unsere Leistungen und Initiativen im Castingsport.

Mit Kathleen Ehrke aus Rothenklempenow haben wir dann auch eine weitere Weltmeisterin aus eigenen Reihen hervorgebracht. Sie gewann 2008 die Jugendweltmeisterschaft in Augsburg.

Weitere Hoffnungsträger zieht unsere erfolgreiche Casterschmiede, derSportanglerverein Ludwigslust e.V., derzeit heran: Florian Sabban kehrte als frisch gekürter Meister der Castingjugend im August aus dem Hessischen Melsungen zurück, dort hatte auch der jüngste Gewinner mit nur neun Jahren auf sich aufmerksam gemacht. Aaron Czarnetzki gewann eine Bronzemedaille.

Beide Caster werden sich ganz sicher in weiteren Meisterschaften beweisen, diese Namen können wir uns schon mal merken!

Frage: Fisch ist nicht gleich Fisch … Zum Jahresende: Welchen Fisch würden Sie empfehlen?

Karl-Heinz Brillowski: Möglichst einen Wildfang aus heimischen Gewässern. Mit einem Karpfen wird es da eventuell schwierig. Alternativen sind: Zander, Barsch oder Hecht. Zum Zander finden Interessierte auch ein Rezept in unserer Mitgliederzeitschrift 4-2015 „Angeln in Mecklenburg-Vorpommern“, die auch auf unserer Homepage zu lesen ist.

Frage: Wer hatte 2015 in M-V eigentlich den größten Fisch am Haken? Was ist der Fisch des Jahres?

Karl-Heinz Brillowski: Bei unserer Aktion “Größter Fisch” sind 2015 insgesamt 34 Arten gemeldet worden. Die erstaunlichsten Ergebnisse will ich nennen. Einen Aal von fast 6 Pfund (2,9 Kilogramm) hat Mirko Essing geangelt, einen Hecht von über 30 Pfund (15,2 Kilogramm) zog Jans Marziniak aus dem Wasser und die größte Überraschung war ein Zander von 22 Pfund und genau einem Meter Länge. „Dieser Brummer“ ging Maik Biederstädt an den Haken.

… Wer rekordverdächtige Fische angelt, kann sich auch im nächsten Jahr wieder bei uns melden. Einfach in der LAV-Geschäftsstelle anrufen, unter 03860-56030. Informieren können sich Interessierte auch auf unserer Internetseite unter lav-mv.de.

Übrigens: Der Fisch dieses Jahres war der Huchen, 2016 wird es der Hecht sein.

Über dieses Tier berichten wir in der Ausgabe 1-2016 unserer Mitgliederzeitschrift „Angeln in M-V“ – als kostenloser Download dann wieder auf unserer Homepage zu finden.

Damit wünsche ich Ihnen, Ihren Leserinnen und Lesern Gesundheit sowie Glück für das Jahr 2016 und natürlich Petri Heil!

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement für den Landesanglerverband M-V und immer einen „großen Fisch am Haken“! Und natürlich auch Ihnen Petri Heil 2016!

Marko Michels

Foto/Michels: Lieber Fisch als Fleisch…