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Standort Ostdeutschland–„Blühende Landschaften oder schleichende Verwüstung?“
  • 25. September 2007   Artikel drucken
  • Konferenz der Fraktionsvorsitzenden – DIE LINKE. in den Landtagen und im Deutschen Bundestag, am Donnerstag, dem 27. September 2007, in Schwerin, im Rittersaal, Ritterstr. 3, zwischen 10.00 und 16.30 Uhr.

    „Blühende Landschaften im Osten“, „Der Osten steht auf der Kippe“, „Blühende Ruinen“„Supergau Deutsche Einheit“ „Chefsache Ost“. Zahlreiche Schlagworte, meist medienwirksam platziert, haben in den vergangenen Jahren versucht, die wirtschaftliche Entwicklung im Osten Deutschlands zu charakterisieren. Doch so holzschnittartig lässt sich die Lage in den Neuen Ländern nicht darstellen. Vonnöten ist ein differenzierter Blick auf die durchaus unterschiedliche Entwicklung. Dazu möchte die Konferenz „Blühende Landschaften oder schleichende Verwüstung?“ beitragen.

    Unstrittig ist eines: Die Menschen im Osten spüren nichts oder nur wenig vom gegenwärtig viel beschworenen raschen Wirtschaftsaufschwung, und die Kluft zwischen Ost und West ist auch nach 17 Jahren nicht kleiner geworden. Milliarden öffentlicher Gelder aus Europa, vom Bund und von den Ländern sind in den Osten geflossen. Bis 2019 müssen die neuen Länder sich so entwickeln, dass sie wirtschaftlich und finanziell auf eigenen Füßen stehen. Trotz zum Teil positiver wirtschaftlicher Entwicklung verfestigt sich Langzeitarbeitslosigkeit, hält die Abwanderung – vor allem junger Frauen – an. Das Realeinkommen sinkt, die finanzielle Belastung der Haushalte steigt, die Disparitäten zwischen den einzelnen Regionen in Ostdeutschland treten immer schärfer zu Tage. Wirtschaftliche, soziale und politische Reformen der letzten Jahre – zumeist aus der Suppenküche westdeutscher „Spezialisten“ – gehen an den Realitäten des Ostens vorbei. Was bleibt ist Ernüchterung.

    Impulse der Linken für eine selbsttragende und selbstbestimmte Entwicklung in den ostdeutschen Ländern

    1. Regionale Potenziale stärken – Investitionsförderung regionalisieren

    Statt Subventionsgerangel braucht Ostdeutschland regionale Leitbilder und eine strategische Allianz für Arbeitsplätze, Ansiedlungen und Aufträge. Diese sollen den Ausgleich regionaler Unterschiede, die Förderung wissensbasierter Strukturen, den Ausbau der sozialen, kulturellen und ökologischen Infrastruktur und den effizienten Umgang mit Fördermitteln befördern. Im Rahmen eines öffentlichen Investitionsprogramms sind vornehmlich regionale Netzwerke und Wirtschaftskreisläufe zu unterstützen. Investitionsentscheidungen sollten konsequent auf die regionale Ebene übertragen werden.

    2. Alle Angriffe auf Solidarpakt II abwehren

    Transfermittel aus dem Solidarpakt II müssen noch stärker in die Bildungs- und Forschungslandschaft Ost fließen, um mit nachhaltiger Wirkung regionale Schwerpunkte in Wirtschaft, Forschung und Entwicklung zu fördern. Der Faktor Wissen ist schon heute eine wesentliche Innovationsressource und ein entscheidender Standortvorteil. Deshalb gilt es, dafür zu sorgen, dass „Investitionen in die Köpfe“ Vorfahrt haben. Innovationstransfer findet vor allem über Menschen in die Unternehmen statt. Hierzu brauchen wir ein besseres „Schnittstellenmanagement“, damit Absolventinnen und Absolventen von Universitäten, Schulen, Hoch- und Fachschulen in ihrer Region bleiben.

    3. Mit öffentlichem Risiko ostdeutsche Unternehmen unterstützen

    Mit Hilfe staatlicher Kapitalbeteiligungsprogramme lassen sich die Bedingungen vieler kleiner und mittlerer Unternehmen in Ostdeutschland, die nach wie vor unter akuter Eigenkapitalschwäche leiden, zielgerichtet verbessern. Öffentliche Darlehens- und Zuschussförderungen für die gewerbliche Wirtschaft müssen intelligent miteinander verknüpft werden. Die Vergabe öffentlicher Aufträge ist so zu regeln, dass Zuschläge an örtliche Unternehmen erleichtert werden.

    4. Kommunales Investitionsprogramm des Bundes auflegen

    Vor dem Hintergrund einer äußerst angespannten finanziellen Situation in den ostdeutschen Kommunen sind eine umfassende Reform der Kommunalfinanzen und das strikte Konnexitätsprinzip unabdingbar. Der Bund muss ein Kommunales Investitionsprogramm auflegen, damit die Kommunen wieder mehr investieren können. Darüber hinaus brauchen die Kommunen Instrumente, die es ihnen ermöglichen, Ansiedlungswünsche von Unternehmen unbürokratisch, flexibel, durchschaubar und rasch zu erfüllen.

    5. Kooperation mit den europäischen Nachbarn sichert mehr Wachstum und Beschäftigung

    Die riesigen Chancen grenzüberschreitender wirtschaftlicher, geistiger und kultureller Zusammenarbeit sind viel stärker als bisher zu nutzen. Deshalb muss die Infrastruktur in den Grenzregionen schneller ausgebaut werden und eine gezielte Projektförderung vor allem für überregionale Kooperationen erfolgen. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit ist bei gleichzeitiger Sicherstellung sozialer Standards, wie die Einführung eines Mindestlohnes, schnellstmöglich herzustellen.

    6. Selbstbestimmtes Leben aller Menschen durch Existenz sichernde Arbeit im öffentlich geförderten Beschäftigungssektor ermöglichen

    Der Konjunkturaufschwung und die vorhandenen arbeitsmarktpolitischen Instrumente reichen allein nicht aus, um die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit, spürbar abzubauen. Deshalb sind andere Wege als die herkömmlichen zu gehen. Ostdeutschland braucht Alternativen im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Dazu gehört vor allem der Ausbau des öffentlich geförderten Beschäftigungssektors, der aus Steuergeldern zu finanzieren ist. Im sozialen, im Jugend-, im Umwelt- oder im kulturellen Bereich liegt immens viel Arbeit brach, die aber im Interesse der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung erledigt werden muss. Hier könnten Tausende von sozialversicherungspflichtigen Existenz sichernden Arbeitsplätze entstehen, die nachhaltige Effekte in den Regionen zur Folge haben – wie mehr Kaufkraft, mehr Nachfrage nach Dienstleistungen und geringere Sozialausgaben.

    7. Schrumpfende und alternde Gesellschaft erfordert Umbau der verkehrlichen, technischen und sozialen Infrastruktur

    Für die Bürgerinnen und Bürger ist die öffentliche Daseinsvorsorge umfassend zu gewährleistet, damit alle möglichst gleichberechtigt an den öffentlichen Gütern teilhaben können. Hierbei geht es darum, die Infrastruktur öffentlicher Dienstleistungen bedarfsgerecht und flächendeckend anzubieten, das Verwaltungshandeln transparent und leistungsorientiert zu gestalten. Privatisierung öffentlicher Güter und Dienstleistungen führt in die Sackgasse und ist stets zum Nachteil der Bürgerinnen und Bürger.

    8. Gesetzlicher Mindestlohn mindert Abwanderung und stärkt Binnenkaufkraft

    Um den Menschen die Voraussetzung für ein ökonomisch unabhängiges Leben zu schaffen, muss die Entlohnung für die geleistete Arbeit Existenz sichernd sein. Insofern ist ein gesetzlicher Mindestlohn, der Armut trotz Arbeit verhindert, umso dringlicher, da gerade in Ostdeutschland in großem Umfang Löhne unterhalb des Existenzminimums gezahlt werden. Die Devise „Innovation statt Niedriglohn“ ist hoch aktuell. Qualifizierte, gut bezahlte und motivierte Fachkräfte sind unverzichtbar für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung am Standort Ostdeutschland.

    9. Kinder- und Familienfreundlichkeit am Handeln von

    Politik und Wirtschaft messen

    Um seiner Zukunft Willen muss Ostdeutschland zu einer kinder- und familienfreundlichen Region werden. Dies darf sich nicht allein auf die öffentliche Kinderbetreuung beschränken. Die Maxime des politischen Handelns muss sein, allen Kindern und Jugendlichen Chancengleichheit in allen Bereichen zu ermöglichen – unabhängig davon, ob sie in einer gut verdienenden Familie oder in einer Familie leben, die von Hartz IV ihre Existenz bestreiten muss. Daneben brauchen wir im Sinne der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung und ein neues gesellschaftliches Klima.

    10. Rechtsextremismus bekämpfen – Zivilgesellschaft stärken

    Der Kampf gegen grassierenden Rechtsextremismus – Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus – ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der sich alle demokratischen Kräfte beteiligen müssen. Verstärkte Repressalien in Form von härteren Strafen bei Taten mit rassistischem oder rechtsextremem Hintergrund sind notwendig, genügen aber allein nicht, den immer dreister in Erscheinung tretenden Funktionären der NPD und anderen rechtsextremistischen Parteien und Organisationen entgegenzutreten. Rechtsextremistisches Gedankengut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zwingend erforderlich ist deshalb eine Stärkung der zivilgesellschaftlichen Strukturen und der humanistischen Kultur sowie Aufklärung und Prävention. Ziel muss es sein, dass rechtsextremistisches Denken und Handeln von den Straßen und Plätzen, aus den Köpfen und aus den Parlamenten verschwindet.

    Tags: Arbeitsmarkt, Beschäftigung, Bildung, Bundestag, DIE LINKE, Fördermittel, Förderung, Forschung, Hartz IV, Infrastruktur, Jugendliche, Kinder, Mindestlohn, Niedriglohn, NPD, Ostdeutschland, Rassismus, Rechtsextremismus, Schwerin, Umwelt, Verkehr, Versicherung, Versicherungspflicht, Verwaltung, Wirtschaft



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    1 Kommentar

    Eine Reaktion zu “Standort Ostdeutschland–„Blühende Landschaften oder schleichende Verwüstung?“”

    1. unterseeboot5288
      Am 15. Dezember 2007 um 17:12 Uhr

      Von blühenden Landschaften sehe ich gar nichts.
      Die Firmen, die mir persönlich bekannt sind haben kaum realen Firmenwert oder nur bescheidenen Wert.
      Es wandern ja immer mehr Firmen sowie Fachkräfte ab und aus.
      Firmen in den neuen Länder, die eine wirkliche Chance gahabt hätten zu überleben und zu expandieren sind gezielt, meißt für 1,- DM abgekauft, dann ausgeschlachtet und abgewickelt worden.
      Was übrig blieb wanderte auf dem Schrott.
      15 Jahre hat es gedauert die Industrieausrüstungen des Ostens zu vernichten.
      Betriebe mit Produktionserfahrungen, die mehr als 100 zurückliegen
      wurden einfach auf den Schutthaufen abgeladen, im wörtlichen Sinne und alles Porzellan zerschlagen.
      Sicher kann man Produktionsanlagen wieder aufbauen, fragt sich nur zu welchem Preis, den können wir nämlich nie wieder bezahlen.
      Allein der Rückbau der Infrastruktur ist nicht wieder aufzuwiegen.
      Deutschland ist auf dem besten Weg in die politische und wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit abzugleiten.
      Damit verbunden ist die steigende Armut und Perspektivlosigkeit.
      Ich persönlich plädiere für die Abkehr vom Geldsystem, das an den Dollar geknüpft ist und auf dem Zins beruht, zugunsten eines neuen Wirtschaftssystems, das allein auf der Arbeitskraft und dem Schöpfertum der Kreatur aufbaut, und das keine Banken benötigt.
      Daher wäre dieses neue System dasjenige,das jeden, der seine Arbeitskraft in selbiges einbringt, den größtmöglichen Nutzen bringt.
      Im bestehenden System lohnt es sich kaum noch zu leben.
      Im Tierreich istz es wohl so, das ein Vogel neunmal eine vermeintliche Futterstelle aufsucht, findet er auch beim zehnten Mal keine Nahrung, sucht er diese Futterstätte wegen Unergiebigkeit nicht mehr auf.
      Ich persönlich sehe keine Perspektive in Deutschland iunter den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen.
      Die Meinung vieler Bürger tendiert in der letzten Zeit verstärkt dahin, das wir erst am Anfang der Abwärtsspirale stehen.
      Die Aussagen der Politiker sind nur Mittel zum Selbstzwecke.
      Die Demontage von Produktionsmitteln und die Abhängigkeit von Unwägbarkeiten ist weiterhin nicht aufzuhalten.
      Mag ich mit der DDR auch heute noch auf Kriegsfuß stehen, aber eines bleibt doch, in der DDR hatte man Grundlagenindustrien und konnte auch selbst Gomputer bauen, mögen diese auch aus heutiger Sicht belächelt werden.
      Was werden wir denn tun, wenn Deutschland irgendwann in absehbarer Zeit wegen politisch unerwünschter Veränderungen unter Wirtschaftssanktionen zu leiden hat ?
      Werden wir dann unsere heimische Steinkohle nutzen, nein können wir ja nicht, weil die Schächte geflutet wurden.
      Sogar die Trinkwasserversorgung wird privatiseirt werden.
      Nach dem Verkauf von riesigen Arealen unseres Landes fürchte ich, das wir dann wirklich ein Volk ohne Heimat sein werden.
      Und Armut schmerzt.
      Denkt einmal alle nach über die Möglichkeiten dieses System in ein zinsfreies System umzuwandeln.
      Müßte zunächst der Euro abgeschafft werden ?
      Ich denke ja.
      Geht man heute die Rohstoffpreise durch, ahnt man schlimmes.

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