Mecklenburger Schwimmer dabei

Im Juli und August steht das Schwimmen im sportlichen Fokus – regional, national und international.

Von Glasgow…

Gerade, vom 13.Juli bis 19.Juli, fanden die siebenten IPC-Schwimm-Weltmeisterschaften für Athletinnen und Athleten mit Handicaps in Glasgow statt.

Dabei dominierten insbesondere die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Russland (71 Medaillen, 32 x Gold), der Ukraine (63 Medaillen, 21 x Gold), Großbritannien (32 Medaillen, 10 x Gold), den USA (30 Medaillen, 11 x Gold) und Australien (30 Medaillen, 9 x Gold).

Das deutsche Team kam auf zweimal Gold, viermal Silber, fünfmal Bronze, wobei die Schwerinerin Denise Grahl (jetzt Rostock) Bronze über 50 Meter Freistil erkämpfte bzw. der Schweriner Torben Schmidtke (jetzt Potsdam) ebenfalls Bronze über 100 Meter Brust gewann.

…nach Kazan

Nach den siebenten IPC-WM in Glasgow ist jedoch vor den sechzehnten FINA-WM in Kazan, die zwischen dem 24.Juli und dem 9.August ausgetragen werden. Dabei stehen 75 Entscheidungen im Langstrecken-Schwimmen, im Becken-Schwimmen, im Synchron-Schwimmen, im Wasserspringen, im Klippenspringen und im Wasserball auf dem Programm.

Rund 2400 Sportlerinnen und Sportler aus mehr als 180 Ländern werden zu diesen weltmeisterlichen Wettkämpfen erwartet. Der „Deutsche Schwimm-Verband“ nominierte 54 Aktive für die WM in Kazan, darunter 31 Becken-Schwimmerinnen bzw. -Schwimmer, 8 Langstrecken-Schwimmerinnen bzw. -Schwimmer, 14 Wasserspringerinnen bzw. – springer und eine Synchron-Schwimmerin (Stand Mitte Juli 2015). Aus Mecklenburger Sicht ist auch der Schweriner Carl Louis Schwarz (jetzt Potsdam) am WM-Start.

M-V und dessen schwimmsportliche WM-Tradition

Überhaupt hat Mecklenburg-Vorpommern eine weltmeisterliche Schwimm-Tradition. So gab es für die gebürtigen Schwerinerinnen Rosemarie Gabriel, Jahrgang 1956, und Andrea Pollack, Jahrgang 1961, bei WM zusammen viermal Gold, viermal Silber, einmal Bronze (Gabriel: 4 x Gold, 2 x Silber / Pollack: 2 x Silber, 1 x Bronze). Rosemarie Gabriel sicherte sich dabei ihre WM-Goldmedaillen 1973 in Belgrad sowie 1975 in Cali jeweils über die 200 Meter Butterfly bzw. über die 4 x 100 Meter Lagen.

Weltmeisterliche Gold-Momente erlebte zudem auch die gebürtige Greifswalderin Caren Metschuck. Jahrgang 1963, Mitglied des SC Empor Rostock. Caren belegte mit der 4 x 100 Meter Freistil-Staffel der DDR 1982 in Guayaquil Rang eins (dazu WM-Silber 1978). Der gebürtige Rostocker Lars Hinneburg, Jahrgang 1965, schaffte zusätzlich WM-Gold: 1986 in Madrid mit der DDR-Staffel über 4 x 200 Meter Freistil.

Gold-Duo aus Rostock: Peggy Büchse und Britta Kamrau

„Absolute“ schwimmsportliche WM-Höhepunkte aus M-V-Blickwinkel waren hingegen die Auftritte der gebürtigen Rostocker Langstrecken-Schwimmerinnen Peggy Büchse, Jahrgang 1972, und Britta Kamrau, Jahrgang 1979. Peggy Büchse sicherte sich bei den Welt-Titelkämpfen zwischen 1998 und 2001 insgesamt zweimal Gold (über 5 Kilometer 2000 bzw. über 10 Kilometer 2001), zweimal Silber, zweimal Bronze.

Ihre Stadt-Kollegin Britta Kamrau sammelte ebenso fleißig und sogar noch fleißiger WM-Edelmetall zwischen 2002 und 2007: viermal Gold (10 Kilometer 2002, 10 Kilometer 2004, 25 Kilometer 2004, 25 Kilometer 2007), zweimal Silber, viermal Bronze. Peggy und Britta – ein historisches goldenes Schwimm-Duo aus Rostock…

Weitere Schwimm-Asse mit „M-V-Wurzeln“ und „MV-Bindungen“

Es gab aber noch weitere hervorragende schwimmsportliche Leistungen bei WM für die Mecklenburger und Vorpommern, so durch Lutz Wanja, Jahrgang 1956, ASK Vorwärts Rostock (Bronze 1973), durch den gebürtigen Rostocker Frank Pfütze, Jahrgang 1959 (Bronze 1975), durch den ehemaligen Wahl-Greifswalder und Fach-Arzt für Innere Medizin am Uni-Klinikum Greifswald, Sven Lodziewski, Jahrgang 1965, zeitweise Mitglied der HSG Uni Greifswald, der zwischen 1982 und 2001 insgesamt bei WM einmal Gold (1986 mit der DDR-Staffel über 4 x 200 Meter Freistil), einmal Silber, dreimal Bronze schaffte, und durch den Wahl-Rostocker Thomas Rupprath, Jahrgang 1977, der bei den WM von 2001 bis 2007 auf einmal Gold (2003 über 50 Meter Rücken), dreimal Silber kam.

Ein bekannter WM-Schwimmer aus Rostock ist nicht zuletzt Nils Rudolph, Jahrgang 1965, der 1991 in Perth Mitglied der ersten gesamtdeutschen Schwimm-Mannschaft nach der „Wende“ war.

Nun ruhen die M-V-Hoffnungen auf Carl Louis Schwarz, Jahrgang 1995, den früheren Schwimmer des PSV Schwerin, der in Kazan 2015 eine vordere Platzierung anstrebt.

Blick zu den wichtigen M-V-Wettkämpfen im Langstrecken-Schwimmen

Aber nicht nur in den WM-Schwimm-Becken ist 2015 „einiges los“. In der Region fanden und finden bereits traditionsreiche Langstrecken-Schwimmen statt, so das 94.Bodden-Schwimmen auf der 2600 Meter langen Strecke über die Greifswalder Wiek von Ludwigsburg nach Eldena. Bei den Frauen triumphierte Tina Kehlitz (Wittenberg) in 37 Minuten 8 Sekunden; bei den Herren setzte sich Benjamin Konschak ((Turn-Gemeinde in Berlin von 1848) in 35 Minuten und 32 Sekunden durch.

Demnächst gibt es hierzulande auch das 14.Warnow-Schwimmen im Rostocker Stadthafen (am 25.Juli) und das 11.Schweriner Schloss-Schwimmen im Burgsee rund um das Schweriner Schloss (am 9.August).

Na dann, „einen langen Atem im Wasser“!

… Wie beurteilt nun aber das einstige Rostocker Schwimm-Ass und heutige Schwimm-Landestrainer beim Behinderten-Sportverband M-V, Andre Wilde, das aktuelle schwimmsportliche Geschehen?!

„Vom `Medaillen zählen` verabschieden…“

Frage: Gerade fanden die IPC-WM in Glasgow im Schwimmen statt. Wie lautet Ihr Resümee zu diesen Meisterschaften – aus nationaler und internationaler Sicht?

Andre Wilde: Die IPC-WM in Glasgow waren insgesamt schon sehr erfreulich, sowohl aus deutscher als auch aus mecklenburgischer Sicht. Denise Grahl, die im Januar 2015 vom Mecklenburgischen Förderzentrum in Schwerin zum Hanse SV Rostock wechselte, konnte gleich bei ihren ersten WM eine Medaille, Bronze über 50 Meter Freistil, erkämpfen.

Eine großartige Leistung. Torben Schmidtke, der einst beim PSV Schwerin seine Karriere begann, konnte ebenfalls mit guten Leistungen beeindrucken. Auch für ihn gab es Bronze, allerdings ist er ja mittlerweile Brandenburger, startet für Potsdam…

Frage: Ab Ende Juli werden die FINA-WM in Kazan ausgetragen. Was erhoffen Sie sich vom deutschen Team?

Andre Wilde: Ich halte nicht viel von Erwartungen im Hinblick auf eine möglichst hohe Anzahl von Medaillen. Man sollte sich davon verabschieden – und das gilt nicht nur für den Schwimmsport – dass Deutschland im Medaillen-Ranking immer oben stehen muß und sollte.

Dafür sind die Förderungen hierzulande ganz einfach nicht ausreichend im Vergleich zu anderen Nationen. Das ist nun einmal so, über die Gründe kann man diskutieren. Für mich ist entscheidend, dass jede Schwimmerin und jeder Schwimmer in Kazan das Bestmögliche erreicht.

Wenn es am Ende zum Beispiel Rang acht bedeutet – und das mit einer persönlichen Bestzeit – ist es doch hervorragend. Sport, auch Schwimmsport, ist mehr als Medaillen-Zählerei!

Frage: Sie selbst waren erfolgreicher Langstreckler… Sind Sie noch bei Wettkämpfen aktiv? Gibt es noch Kontakte zu den einstigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, wie Peggy Büchse oder Britta Kamrau?!

Andre Wilde: Zu Britta Kamrau gibt es schon noch Kontakt. Sie wohnt ja nach wie vor in Rostock. Peggy lebt inzwischen ja in Augsburg, da ist die Verbindung nicht so ausgeprägt.

Was „das Aktiv sein“ bei mir selbst betrifft: Familiär bedingt kann ich in der Regel leider nicht bei solchen Events, wie Sund-Schwimmen, Schloss-Schwimmen, Wismarer Langstrecken-Schwimmen, Bodden-Schwimmen oder Warnow-Schwimmen, dabei sein… Ich bin auf andere Weise „in Bewegung“.

Vielen Dank und weiterhin maximale schwimmsportliche Erfolge!

Marko Michels

Foto/Michels: Im Schwimm-Becken wird es im Juli/August weltmeisterlich…