Die Christdemokratin gewann bei der Bundestagswahl das Direktmandat für den Wahlkreis 12 (Wismar-Nordwestmecklenburg-Parchim)

Die Bundestagswahlen liegen schon wieder zwei Monate zurück. Die neue Bundesregierung aus CDU/CSU/FDP unter Bundeskanzlerin Dr.Angela Merkel ist „im Amt“ – und neu in Berlin ist auch Karin Strenz, die im Wahlkreis 12 (Wismar-Nordwestmecklenburg-Parchim) das Direktmandat gewann.

Die Christdemokratin ist trotz junger Jahre eine erfahrene Politikerin und war zuletzt Mitglied des Landtages in Schwerin.

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Zwischen vollem Terminkalender, langen Wartezeiten auf den Bundestagshandwerker und neuen Herausforderungen: Karin Strenz …

„Ich bin inzwischen in Berlin angekommen!“

Frage: Für Sie waren die Wahlen mit einigen Veränderungen verbunden: zunächst das direkt errungene Bundestagsmandat in der SPD-Hochburg Nordwestmecklenburg/Wismar, dann die Aufgabe ihres Landtagsmandates im Schweriner Schloss und der Wechsel in den Bundestag nach „Spree-Athen“. Haben Sie sich politisch wie persönlich in Berlin bereits eingelebt?

KStrenzKarin Strenz: Ich bin inzwischen angekommen in Berlin, und zwar persönlich wie politisch. Die ersten Tage allerdings hatte ich tatsächlich damit zugebracht, mich zu orientieren. Im Vergleich zum Bundestag ist der Landtag eine sehr übersichtliche Welt. In Berlin ist alles zwei Nummern größer: Die Wege sind weiter, es gibt fast zehnmal so viele Abgeordnete und entsprechend zehnmal so viele dringende Wünsche an Handwerker, Lieferanten und Computerspezialisten. Ich habe schnell gelernt, dass nicht alles sofort klappt und sich auch Abgeordnete gedulden müssen. Zum Beispiel kann es vier Werktage dauern, bis der Handwerker kommt und einen Nagel in die Wand schlägt, damit ich im Büro ein Bild aufhängen kann. Ich würde auch selbst zum Hammer greifen, aber das ist verboten – wahrscheinlich nicht ohne Grund: Offenbar sind Politiker eher ungeschickt. Inzwischen finde ich mich auf den langen Gängen zwischen meinem Büro im Paul-Löbe-Haus, den Fraktionsräumen, Sitzungssälen und dem Plenarsaal gut zurecht. Und ich gebe zu: Auch im Schweriner Schloss habe ich mich bis zuletzt gelegentlich verlaufen – geografisch, nicht politisch, wohlgemerkt!

Frage: Was sind Ihre konkreten Aufgaben innerhalb der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag?

Karin Strenz: Die Fraktion von CDU und CSU hat mich für den Verteidigungsausschuss und für den Sportausschuss nominiert. Für einen Parlamentsneuling, der ich ja bin, ist das ein großer Vertrauensvorschuss. Im Verteidigungsausschuss werden natürlich die Auslandseinsätze unserer Soldaten beraten, es geht aber auch um Ausstattung und Struktur der Bundeswehr insgesamt, etwa um den Erhalt bestimmter Standorte. Gerade in diesem Punkt möchte ich mich für Mecklenburg-Vorpommern einsetzen. Wir haben 19 Bundeswehrstandorte – und ich werde um jeden einzelnen kämpfen. Eine Kaserne ist schließlich unheimlich wichtig für die zivile Wirtschaft.

Im Sportausschuss geht es einerseits um die großen Themen, die die Gesellschaft seit Jahren und Jahrzehnten beschäftigen: Doping, Umgang mit DDR-Trainern und Korruption wie jetzt im Fußball-Wettskandal. Die Ausschussmitglieder kümmern sich auch um Dinge, die nicht so wahrgenommen werden. In der vergangenen Wahlperiode wurde zum Beispiel die Pauschale für ehrenamtliche Trainer und Betreuer in den Sportvereinen erhöht. Ein anderes wichtiges Thema ist der Behindertensport. Ich bin optimistisch, dass ich mit meiner Ausschussarbeit Gutes für die Bürger in MV erreichen kann.

Mein Terminplan ist viel voller, als die meisten Leute denken. Die parlamentarische Arbeit beschränkt sich ja nicht darauf, im Plenarsaal Reden zu hören und abzustimmen. Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich dort, wo keine Kameras sind. Ich gehöre dem CDU-Küstenkreis an, der sich für maritime Politik stark macht, und engagiere mich in verschiedenen Arbeitsgruppen: für Kommunalpolitik, Verteidigung, Sport und Ehrenamt. Die ostdeutschen CDU-Abgeordneten treffen sich übrigens in den Sitzungswochen immer dienstags – um 7.30 Uhr.

Frage: Deutschland wird nun wieder von einer CDU/CSU/FDP-Koalition regiert – auch die Wunsch-Koalition der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Wunschlos glücklich scheint jedoch nicht jeder Christdemokrat, Christ-Soziale oder Liberale mit den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen, insbesondere was die Problematik „Steuersenkungen“ betrifft, zu sein. Wie ist das Klima in der Koalition? Sind mittlerweile „Klima-Veränderungen“ zum Positiven festzustellen?

Karin Strenz: Zunächst: Ich bin schon ein paar Jahre in der Politik, habe aber noch nie erlebt, dass immer alle glücklich sind. Eine Fraktion, ob im Kreistag, im Landtag oder im Bundestag, in der sich alle um den Hals fallen, die muss erst erfunden werden. Vielleicht gibt es das im Himmelsparlament – aber sicher nicht auf Erden. Das hat sicherlich damit zu tun, dass es bei Koalitionsverhandlungen und in der Politik überhaupt immer auch Enttäuschte gibt, die nicht den Traumposten bekommen haben, obwohl sie ohne Frage geeignet gewesen wären.

Was die neue Bundesregierung betrifft, gebe ich Ihnen Recht: Der Start hätte besser sein können, es hat geknirscht. Dass es in der Steuerpolitik ein bisschen lauter geknirscht hat, darf niemanden verblüffen. Ums Geld gibt es nun einmal – da ist Politik sehr lebensnah – immer den größten Knatsch.

BundestagDass die große Euphorie ausgeblieben ist, hat zwei Gründe, denke ich. Zum einen wäre fröhliches Grinsen angesichts der weltweiten Krise, in der wir stecken, unangemessen gewesen. Zum anderen ist das auch nicht der Stil von Angela Merkel. Sie ist weder Optimistin noch Pessimistin, sondern Realistin. Wenn man sie fragen würde, ob das Glas halbvoll oder halbleer sei, würde sie die genaue Wassermenge messen. Ich bestreite aber nicht, dass wir noch Luft nach oben haben und uns steigern können. Und wenn wir und die Bürger in vier Jahren Grund zur Euphorie hätten, wäre das doch wunderbar.

Frage: Auf dem Landesparteitag der CDU in Grimmen wurde mit Lorenz Caffier ein neuer CDU-Landesvorsitzender für MV gewählt, der den amtierenden Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Jürgen Seidel ablöst. Wird der derzeitige Innenminister und mögliche Sellering-Herausforderer bei der Landtagswahl M-V 2011, der auch innerhalb der CDU wegen dessen Kreisgebietsreform nicht unumstritten ist, gegen den mediengewandten Amtsinhaber Erwin Sellering haben? Was zeichnet Lorenz Caffier aus Ihrer Sicht aus ?

Karin Strenz: Mediengewandt? Mich amüsiert es eher, wie Herr Sellering versucht, als Ministerpräsident deutschlandweit ein bisschen prominent zu werden. Wir bekommen ja durchaus sehr genaue Einblicke in sein Privatleben. Fehlt eigentlich nur noch, dass er uns zwei Cousins von der Insel Rügen schenkt.

Was Lorenz Caffier auszeichnet? Als gebürtiger Sachse und überzeugter Mecklenburger besitzt er etwas ganz Besonderes: Er ist ein charmanter, schlauer Sturkopp. Und er hält Gegenwind aus, wenn er von etwas überzeugt ist. Trotzdem überlasse ich das Empfehlen von Kandidaten für wichtige Ämter lieber grauen Eminenzen und Leuten, die vielleicht selbst Ambitionen haben.

Frage: Das Leben im Bundestag wirkt für Außenstehende mittlerweile etwas losgelöst von der Realität. Besteht Gefahr, dass die neue Bundestagsabgeordnete Karin Strenz auch die Bodenhaftung verlieren wird?

KStrenzKarin Strenz: Natürlich genieße ich als Abgeordnete Privilegien: Es ist angenehm, einen Fahrdienst zu haben, der einen zu den beruflichen Terminen bringt. Meine Mitarbeiter im Berliner Büro und im Wahlkreisbüro helfen mir bei der täglichen Arbeit. Sie recherchieren und bereiten meine Termine vor, sie kümmern sich auch um die Post und halten mir überhaupt den Rücken frei. Wenn ich wollte, könnte ich auch jeden Abend bei irgendeiner Veranstaltung nett essen oder feiern – aber dann müssten die ostdeutschen Abgeordneten ohne mich tagen.

Ich weiß, dass ich fast überall sehr herzlich begrüßt werde, auch wenn ich mich mal eine Viertelstunde verspäte oder nicht viel Zeit habe. Ich weiß aber auch, dass da nicht Karin Strenz aus Sehldorf eingeladen wird, sondern die Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Wismar – Nordwestmecklenburg – Parchim. Wer das durchschaut, ist schon mal weniger in Gefahr abzuheben. Hinzu kommt, dass ich die Wochen ohne Plenar- und Ausschusssitzungen im Wahlkreis verbringe. Und erfreulicherweise begegnen mir die Mecklenburger nicht mit einem falschen Respekt. Jeder kann mich ansprechen und anrufen.

Im übrigen kommt der Bundestagshandwerker auch nicht schneller, nur weil ich ihn zufällig im Fahrstuhl treffe und frage, ob er tatsächlich vier Werktage brauche, bis er bei mir sei. Seine Antwort war: „Mindestens vier Werktage, junge Frau.“

Na dann, viel Erfolg mit dem eigenen politischen Handwerk, immer ein „glückliches Händchen“ bei wichtigen Abstimmungen und eine abwechslungsreiche Zeit im Bundestag !

Die Fragen stellte: Marko Michels.

Fotos: 1.Karin Strenz, die neue Bundestagsabgeordnete aus MV in Berlin. / 3.In „Spree-Athen“ angekommen: Karin Strenz. / 2.Bundestag in Berlin.